Eine sanfte Geschichte über einen kleinen Drachen, der lernt, wie wichtig das Loslassen und die Ruhe der Natur sind.
Podcast auf toknow hörenEs war einmal ein kleiner Drache namens Funke. Er wohnte in einem Tal, das so friedlich war, dass man dort das Gras wachsen hören konnte. Funke war kein gewöhnlicher Drache. Seine Schuppen glänzten nicht feurig rot, sondern in einem sanften Kupferton, der im Sonnenlicht wie warmes Karamell aussah. Wenn Funke ausatmete, kamen keine wilden Flammen aus seiner Nase. Stattdessen schwebten winzige, goldene Funken Heroas, die wie kleine Glühwürmchen in der Luft tanzten. Es war ein herrlicher Abend in Drachental. Die Sonne senkte sich langsam hinter die runden Hügel. Der Himmel färbte sich in den weichsten Farben von Pfirsich und Lavendel. Funke saß auf seinem Lieblingsfelsen direkt vor seiner gemütlichen Höhle. Die Höhle war mit weichem Moos ausgelegt und roch nach getrockneten Kräutern und warmem Stein. In diesem Tal lebten alle Tiere im Einklang. Die alten Drachen erzählten sich Geschichten von fernen Ländern, während die Libellen über den kleinen Bach flitzten. Aber an diesem Abend war etwas anders. Es war sehr warm gewesen in den letzten Tagen. Die Blumen ließen ein wenig ihre Köpfe hängen. Der Bach im Tal floss nur noch ganz leise, fast wie ein Flüstern. Funke schaute nach oben. Der Himmel war beinahe ganz klar Nur eine einzige sehr gro und sehr dunkle Wolke schwebte direkt dem Tal Sie bewegte sich nicht Sie hing dort fest wie ein schwerer Vorhang Funke wunderte sich. Normalerweise zogen die Wolken zügig am Tal vorbei. Doch diese Wolke sah müde aus. Sie wirkte schwer und ein wenig traurig. Funke beschloss, dass er herausfinden wollte, was mit dieser Wolke los war. Er breitete seine Flügel aus. Sie fühlten sich fest und stark an. Mit einem tiefen Atemzug stieß er sich vom Felsen ab. Er flog nicht hastig. Er glitt ruhig auf den warmen Abendwinden nach oben. Mit jedem Flügelschlag fühlte er sich leichter. Die Welt unter ihm wurde kleiner und stiller. Er sah die Wälder wie dunkelgrüne Kissen und den Bach wie ein silbernes Band. Immer näher kam er der großen, dunklen Wolke. Er spürte, dass die Luft um sie herum kühl und feucht war. Es roch nach frischer Erde und Abenteuer. Funke schwebte nun ganz nah am Rand der Wolke. Er sah, dass sie nicht einfach nur grau war. Sie schimmerte in einem tiefen Dunkelblau und Violett. Es war, als würde sie eine große Last mit sich tragen. Er landete ganz sanft auf einem weichen Ausläufer der Wolke, der sich anfühlte wie kühle Watte. Hier oben war es vollkommen still.
Funke stand nun mitten in der Wolke. Um ihn herum war alles neblig und weich. Er konnte seine eigenen Pfoten kaum sehen. Er fühlte sich geborgen, als wäre er in eine riesige, kühle Decke eingehüllt. »Hallo«, flüsterte Funke ganz leise. Er wollte die Stille nicht stören. Da hörte er ein tiefes, sanftes Grollen. Es war kein böses Grollen wie bei einem Gewitter. Es klang eher wie ein tiefes Seufzen. »Wer bist du?« fragte eine Stimme, die so klang wie das ferne Rollen von Kieselsteinen in der Brandung. »Ich bin Funke«, antwortete der kleine Drache. »Ich komme aus dem Tal dort unten.« »Du siehst so schwer aus, liebe Wolke.« »Warum regnest du nicht einfach?« Die Wolke bebte ein wenig. Ein paar winzige Tropfen lösten sich und kitzelten Funke an der Nase. »Ich kann nicht«, antwortete die Wolke traurig. Ich habe so viele Wassertropfen gesammelt Ich trage sie schon so lange bei mir Ich habe Angst, dass ich verschwinde, wenn ich sie alle loslasse Wenn ich regne, dann bleibt von mir nichts mehr übrig Dann bin ich kein Teil des Himmels mehr Funke setzte sich hin Er verstand die Wolke Manchmal ist es schwer etwas loszulassen das man lange festgehalten hat Er dachte an seinen ersten Flug Er hatte auch Angst gehabt den festen Boden unter seinen F zu verlieren Aber erst als er losgelassen hatte konnte er den Wind spüren und die Freiheit des Himmels entdecken. Die Wolke erzählte ihm von ihren Reisen. Sie war über das große Meer geflogen und hatte den Walen zugesehen. Sie war über die hohen, schneebedeckten Berge gezogen, wo die Luft so dünn und klar war wie Glas. Überall hatte sie Feuchtigkeit aufgesogen. Sie war immer größer und schwerer geworden. Jetzt fühlte sie sich so voll, dass sie kaum noch schweben konnte. Aber der Gedanke an das Ende machte ihr Sorgen. Funke lächelte. Seine Schuppen begannen sanft zu leuchten und verströmten eine wohlige Wärme im kühlen Nebel. Er erklärte der Wolke, dass nichts in der Natur wirklich ganz verschwindet. Alles verändert nur seine Form. Er erzählte ihr von den Blumen im Tal, die so durstig waren. Er erzählte ihr von dem Bach, der darauf wartete, wieder munter über die Steine zu hüpfen. Du wirst nicht verschwinden, sagte Funke mit seiner ruhigen Stimme. Du wirst zu den Blumen. Du wirst zum glitzernden Bach. Und am nächsten Tag, wenn die Sonne dich wieder küsst, steigst du als feiner Nebel wieder nach oben und wirst zu einer neuen, leichten Wolke. Es ist ein ewiger Kreislauf. Ein großes Atmen der Welt.
Die Wolke hörte aufmerksam zu. Das Grollen wurde leiser und klang nun fast wie ein Schnurren. Sie dachte über Funkes Worte nach. Sie spürte die Wärme, die von dem kleinen Drachen ausging. Diese Wärme gab ihr Mut. Funke begann nun, kleine Kreise in der Wolke zu fliegen. Er bewegte seine Flügel ganz langsam und rhythmisch. Bei jedem Schlag lösten sich goldene Funken von seinen Schuppen und vermischten sich mit dem dunklen Grau der Wolke. Es sah wunderschön aus, wie kleine Sterne in einer tiefen Nacht. Die Wolke fühlte sich plötzlich kribbelig an. Es war ein angenehmes Gefühl, als würde sie innerlich lächeln. Ganz langsam begann sich der untere Teil der Wolke zu verändern. Er wurde dunkler und schwerer, aber auf eine gute Artikel. Die Wolke ließ locker. Sie entspannte ihre riesigen, nebligen Arme. Und dann geschah es. Ein erster, großer Tropfen löste sich Er war schwer und prall Er fiel nach unten, direkt in die Tiefe Dann folgte ein zweiter Und ein dritter Es klang wie ein sanfter Rhythmus Klopf, klopf, klopf Funke schwebte mitten im Geschehen Er sah wie die Wolke sich langsam leerte Aber sie verschwand nicht einfach Sie wurde heller Das tiefe Violett verwandelte sich in ein zartes Silbergrau Die Wolke fühlte sich auf einmal so leicht an, als hätte sie Flügel bekommen. Oh, rief die Wolke aus, und ihre Stimme klang jetzt viel heller. Das fühlt sich wunderbar an. Ich fühle mich so frei. Ich kann wieder schweben. Der Regen wurde nun stärker. Es war ein warmer, weicher Sommerregen. Er peitschte nicht. Er fiel ganz ruhig und senkrecht vom Himmel herab. Funke flog unter die Wolke und sah zu, wie die Tropfen die trockene Luft reinigten. Er sah, wie der Regen die fernen Hügel in einen silbernen Schleier hüllte. Er roch den wunderbaren Duft, der entsteht, wenn Wasser auf staubige Erde trifft. Es ist der Duft des Lebens. Alles unter ihm schien tief einzuatmen. Die Bäume reckten ihre Zweige nach oben. Die Blätter tanzten im Takt der Tropfen. Funke spürte die Feuchtigkeit auf seinen eigenen Schuppen. Es fühlte sich erfrischend an, fast wie eine sanfte Massage. Er wusste, dass das Tal nun trinken konnte. Die Blumen würden morgen in den schönsten Farben leuchten. Der Bach würde wieder singen. Und das alles, weil die Wolke den Mut gefunden hatte, loszulassen.
Funke flog langsam hinunter zum Tal, begleitet von den Millionen Tropfen. Er machte keine schnellen Bewegungen. Er ließ sich einfach sinken. Er fühlte sich eins mit dem Regen und dem Wind. Als er den Boden erreichte, landete er nicht auf seinem Felsen, sondern mitten auf einer Wiese. Das Gras fühlte sich kühl und weich unter seinen Pfoten an. Überall hörte er das leise Geräusch des Regens. Es war ein wunderbares Konzert. Plipp, plapp, plipp. Die Tropfen trommelten auf die großen Blätter des Huflattichs. Sie glitten von den Nadeln der Tannen und fielen in die kleinen Pfützen, die sich bereits bildeten. Funke schloss seine Augen. Er atmete tief die kühle, saubere Luft ein. Er spürte, wie alle Anspannung von ihm abfiel. Die Hitze des Tages war vergessen. In diesem Moment waren alle Tiere des Tals in ihren Verstecken und lauschten den Regen. Die Hasen kuschelten sich in ihren Bau. Die Vögel saßen eng beieinander im dichten Laub der Bäume. Es war eine Zeit der Ruhe. Funke sah zu seinem Freund, dem alten Baum am Rande der Wiese. Der Baum schien die N gierig aufzusaugen Seine Rinde wurde dunkel und gl Es sah aus als w der Baum vor Gl l Funke begann ganz langsam durch das nasse Gras zu laufen Er wollte die Feuchtigkeit sp Er sah kleine Käfer, die unter Blättern Schutz gesucht hatten und nun die Wassertropfen beobachteten, die wie Diamanten an den Grashalmen hingen. Die Welt wirkte in diesem Moment vollkommen rein. Es gab keine Sorgen, keinen Lärm Nur das stetige, beruhigende Fallen des Wassers Funke dachte an das Geheimnis der Regenwolke Es war das Geheimnis des Gebens Die Wolke gab ihr Wasser, und das Tal gab ihr Leben zurück Nichts ging verloren Alles war verbunden Er fühlte sich stolz auf die Wolke und dankbar, dass er ihr helfen konnte Die goldene Wärme in seinem Inneren leuchtete nun ganz sanft. Er war nicht mehr nur ein kleiner Drache, der Funken sprühte. Er war ein Teil des großen Ganzen. Der Regen wurde nun feiner. Er verwandelte sich in einen zarten Sprühregen, der wie Puderzucker in der Luft hing. Die Wolke oben am Himmel war nun fast weiß und sah aus wie ein lockeres Sahnehäubchen. Sie winkte Funke mit einem kleinen Nebelstreif zu, bevor sie langsam weiterzog, um anderen Orten Erfrischung zu bringen.
Der Regen hatte nun fast ganz aufgehört. Nur noch ab und zu fiel ein verirrter Tropfen von einem Blatt. Die Luft war so frisch, wie Funke sie noch nie erlebt hatte. Über den Bergen im Osten zeigte sich ein ganz blasser Regenbogen im letzten Licht des Tages. Er sah aus wie eine Brücke aus Träumen. Funke fühlte sich jetzt sehr müde. Seine Flügel waren schwer vom Wasser und sein Herz war voller schöner Bilder. Er lief langsam zurück zu seiner Höhle. Seine Pfoten machten leise Matschgeräusche auf dem feuchten Boden. Es war ein gemütliches Geräusch. In seiner Höhle angekommen, schüttelte er sich einmal kräftig. Ein kleiner Schauer aus Wassertropfen und goldenen Funken flog durch den Raum. Dann legte er sich auf sein weiches Moosbett. Das Moos war trocken geblieben und fühlte sich wunderbar warm an. Funke rollte sich zusammen. Er legte seinen Kopf auf seine Pfoten und deckte sich mit seinen großen Flügeln zu, wie mit einer Decke Draußen im Tal begann nun die Nacht Die ersten Sterne blinzten durch die dünne Wolkendecke Sie spiegelten sich in den kleinen Pf auf der Wiese Der Bach floss nun wieder mit einem kr fr Glucksen Er sang ein Schlaflied f alle Bewohner des Tals Funke h dem Bach zu Er atmete ruhig ein und wieder aus. Bei jedem Atemzug stieg ein winziger, goldener Funke auf und tanzte an der Decke der Höhle, bis er sanft erlosch. Der kleine Drache wusste, dass morgen ein herrlicher Tag sein würde. Die Blumen würden blühen, die Luft würde klar sein und die Erde würde satt und zufrieden duften. Er fühlte sich sicher und geborgen. Seine Gedanken wurden langsam neblig, genau wie die Wolke am Abend. Er stellte sich vor, wie er auf einer weichen, weißen Wolke durch den Sternenhimmel schwebte. Er fühlte sich leicht. Er fühlte sich frei. Das ganze Tal schlief nun. Die Bäume, die Blumen, die Tiere und der kleine Drache Alles war in Frieden Die Stille der Nacht legte sich wie ein schützender Mantel über das Land Funke schloss die Augen ganz fest Er träumte von glitzernden Wassertropfen und goldenen Lichtern Schlaf gut, kleiner Drache Schlaf gut, weite Welt Alles ist gut Alles ist zur Ruhe gekommen