Das Geheimnis der Löwenburg

Sia und Luisa entdecken bei einem abendlichen Spaziergang im Bergpark Wilhelmshöhe ein verborgenes Rätsel aus vergangener Zeit.

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Abendgold über dem Herkules

Der Wind pfeift hier oben ganz schön ordentlich, oder? Man hat das Gefühl, man könnte fast abheben, wenn man die Arme weit ausstreckt und sich voll in die Böen lehnt. Genau das macht Luisa gerade. Sie ist sieben Jahre alt, hat ihre gelbe Regenjacke bis zum Kinn zugezogen und ihre Haare fliegen ihr Wild im Gesicht herum. Sie lacht und ruft gegen das Tosen an, dass sie sich wie ein echter Falke fühlt, der gleich über den Habichtswald segelt. Ihre große Schwester Sia, die mit ihren zehn Jahren schon ein kleines bisschen cooler wirkt, steht daneben und hält ihre Hände tief in den Taschen ihrer Jeansjacke vergraben. Aber auch Sia kann sich ein Grinsen nicht verkneifen. Es ist dieser Moment am frühen Abend, den man in Kassel eigentlich nur an einem Ort so richtig erleben kann. Ganz oben auf dem Plateau des Herkules. Hinter ihnen ragt das gewaltige Bauwerk in den Himmel. Dieses achteckige Riesending, auf dem die kupferne Statue thront. Der Herkules selbst wirkt heute Abend fast so, als würde er über die ganze Welt wachen. Die Sonne steht schon tief im Westen, genau hinter dem Bergpark, und taucht alles in ein Licht, das so golden und warm ist, dass die Steine des Oktogons fast zu glühen scheinen. Papa Patrick steht ein paar Schritte hinter seinen Töchtern. Er hat die Hände in den Taschen und atmet tief die kühle, klare Luft ein. Er liebt diesen Ausblick. Er hat Sia und Luisa heute hierher gebracht, weil er wusste, dass sie nach der langen Woche in der Schule und dem Trubel in der Stadt mal wieder ein bisschen Weite brauchen. Schaut euch das mal an, sagt Patrick und zeigt mit einer ausladenden Geste hinunter ins Tal. Die beiden Mädchen treten näher an den steinernen Rand der Aussichtsplattform. Vor ihnen erstreckt sich Kassel wie ein riesiger Teppich aus Lichtern und Farben. Die Wilhelmshöhe Allee zieht sich schnurgerade wie ein Lineal von ihrem Standort bis weit hinein ins Zentrum der Stadt Sia kneift die Augen zusammen Sie versucht das Museum Fredericianum zu entdecken oder das Riesenrad auf dem Fr Aber aus dieser H wirkt alles wie Spielzeug Es ist so friedlich hier oben, findet sie. In der Stadt unten hupen die Autos, Menschen hetzen zur Straßenbahn und überall ist es laut. Aber hier, über den Kaskaden, hört man nur das Rauschen des Windes in den alten Buchen und das leise Knirschen von Kies unter den Schuhen. Luise sapft in Patrick's Armo. Papa, warum ist der Herkules eigentlich so grünlich? Ist das Moos? Patrick lacht leise und schüttelt den Kopf. Nein, das ist kein Moos, kleine Entdeckerin. Das ist Kupfer. Wenn Kupfer ganz lange an der frischen Luft ist und es darauf regnet, dann bildet sich diese Schicht, die man Patina nennt. Eigentlich glänzt er wie eine neue Centmünze, aber über die Jahrhunderte hat er sich eben dieses grüne Gewand angezogen. Er ist wie ein alter Wächter, der schon alles gesehen hat. Sia schaut an der Statue hoch. Sie stellt sich vor, wie es wäre, da oben in der Keule des Herkules zu stehen. Man sagt ja, dass da drin sogar mehrere Leute Platz haben. Ein verrückter Gedanke, so hoch oben im Kopf eines Riesen zu sitzen und über das Land zu schauen. Die kühle Brise, die vom Berg herabweht, wird langsam etwas frischer. Man merkt, dass der Frühling zwar da ist, aber der Winter sich noch nicht ganz geschlagen geben will. Luisa fröstelt ein bisschen und rutscht näher an Sia heran. Sia legt automatisch den Arm um ihre kleine Schwester. Sie streiten sich zwar oft um das letzte Stück Schokolade oder wer zuerst im Badezimmer sein darf, aber hier draußen, in der großen weiten Natur, sind sie ein Team. Das war schon immer so. Guck mal da unten, Sia, flüstert Luisa pl Sie zeigt auf die Kaskaden die langen Steintreppen die normalerweise bei den Wasserspielen das Wasser toast Heute sind sie trocken Die grauen Basaltsteine liegen ruhig da und fangen die letzten Strahlen der Abendsonne ein Aber ganz unten da wo der Park so richtig dicht und waldig wird da liegt die L Von hier oben sieht sie aus wie aus einem Märchenbuch der Gebrüder Grimm gefallen. Patrick stellt sich zwischen seine Mädchen und legt ihnen jeweils eine Hand auf die Schulter. Wisst ihr, sagt er mit dieser geheimnisvollen Stimme, die er immer bekommt, wenn er eine Geschichte erzählt, Die Löwenburg sieht zwar alt aus, so als hätten dort schon vor tausend Jahren Ritter gelebt, aber eigentlich wurde sie erst viel später gebaut. Ein Kurfürst wollte seine eigene Ruine haben. Ein Ort voller versteckter Winkel, Geheimgänge und Legenden. Gihem Gange? Luisas Augen werden riesig. Gibt es da wirklich echte Geheimgänge, Papa? Patrick zwinkert ihr zu. Wer weiß das schon so genau? Es gibt Geschichten über Zimmer, die hinter Wandteppichen verborgen sind, und über Kellergewölbe, in denen früher vielleicht Schätze gelagert wurden. Sia beobachtet, wie die Schatten der Bäume immer länger werden. Die dunklen Umrisse der Löwenburg wirken im dämmerigen Abendlicht fast ein bisschen unheimlich, aber auch wahnsinnig anziehend. Sie spürt ein Kribbeln im Bauch. Es ist dieses Gefühl, das sie immer bekommt, wenn ein neues Abenteuer in der Luft liegt. Die Sonne versinkt jetzt endgültig hinter dem Kamm des Habichtswaldes. Der Himmel verfärbt sich von einem leuchtenden Orange in ein tiefes Violett. In der Ferne gehen die ersten Straßenlaternen in Kassel an und bilden eine glitzernde Lichterkette. Es wird Zeit, langsam den Abstieg zu wagen, sagt Patrick und klatscht leicht in die Hände. Wir wollen ja nicht, dass wir im Stockdunkeln den Weg zurückfinden müssen. Aber wir nehmen nicht die Haupttreppe, oder? Luisa h ungeduldig von einem Bein auf das andere K wir an den Kaskaden langgehen Patrick nickt Na gut aber passt auf eure Schritte auf Der Basalt kann t sein besonders wenn es feucht wird Die kleine Gruppe setzt sich in Bewegung. Sie lassen den großen, schweigenden Herkules hinter sich und beginnen den Weg hinunter in den Park. Die Luft riecht hier oben nach feuchter Erde, nach Nadelbäumen und nach Freiheit. Mit jedem Schritt, den sie tiefer in das Gelände des Bergparks eindringen, wird das Rauschen der Stadt leiser und das Knistern des Waldes lauter. Sia geht ein paar Schritte voraus. Sie schaut immer wieder nach rechts und links in das Gebüsch. Der Bergpark Wilhelmshöhe ist riesig, der größte Bergpark Europas sogar, wie ihr Papa immer wieder stolz erzählt. Hier gibt es Ecken, in denen man sich stundenlang verlaufen könnte, ohne einer einzigen Menschenseele zu begegnen. Und genau das ist es, was Sia so liebt. Zwischen den künstlichen Ruinen, den Teichen und den verschlungenen Faden fühlt es sich an, als würde man in eine andere Zeit reisen. Luisa findet am Rand des Weges einen besonders glatten Stein und steckt ihn in ihre Tasche. Ein Glücksstein, sagt sie bestimmt. Den werden wir bestimmt noch brauchen. Sia lächelt über die Fantasie ihrer kleinen Schwester. Aber insgeheim fragt sie sich, ob Luisa vielleicht recht hat. Irgendetwas fühlt sich heute anders an als sonst. Das Licht, die Stille, die Art, wie die Burgruine dort unten im Tal auf sie zu warten scheint. Es ist, als hätte der Abendwind ihnen ein Geheimnis zugeflüstert, das sie erst noch entschlüsseln müssen. Während sie vorsichtig die ersten Stufen der Kaskaden hinuntersteigen, wirft Sia noch einen letzten Blick zurück zum Herkules. Er steht dort oben, schwarz gegen den dunkelblauen Himmel, und scheint ihnen für ihre Reise viel Glück zu wünschen. Das Abenteuer beginnt genau jetzt, denkt sie, und sie kann es kaum erwarten, zu sehen, was sie dort unten, zwischen den alten Steinen und im Schatten der Löwenburg, finden werden.

Der kupferne Fund am Wasserfall

Die Sonne sinkt jetzt immer tiefer und taucht die riesigen Kaskaden unterhalb des Herkules in ein warmes, fast schon unwirkliches Licht. Wenn man hier oben steht und über die riesigen Steintreppen hinabschaut, kommt man sich fast ein bisschen klein vor, oder? Sia und Luisa stehen direkt am Rand der obersten Stufe. Der Wind zehrt ein wenig an Sias Pferdeschwanz, während sie den Blick weit über Kassel schweifen lässt. Es ist dieser Moment am Abend, in dem der Bergpark Wilhelmshöhe anfängt, seine ganz eigene, stille Magie zu entfalten. Die Tagestouristen sind fast alle weg, und die Ruhe wird nur noch vom Rascheln der Blätter und dem fernen Rufen eines Vogels unterbrochen. Papa, guck mal, wie weit man heute sehen kann, sagt Luisa und deutet mit ihrem kleinen Finger in Richtung der Stadt, wo die ersten Lichter in den Fenstern der Häuser aufblitzen. Patrick steht ein paar Schritte hinter ihnen, die Hände in den Taschen seiner wetterfesten Jacke vergraben. Er genießt diesen Anblick genauso sehr wie seine Töchter. Es ist einer dieser perfekten Momente, in denen die Welt für einen Augenblick stillzustehen scheint. Aber wer Luisa kennt, weiß, dass sie nicht lange stillstehen kann. Ihre Neugier ist wie ein kleiner Motor, der niemals aufhört zu rattern. Während sie ja noch ganz versunken in das Panorama ist, beginnt Luisa bereits, die groben Basaltsteine der Kaskaden genauer unter die Lupe zu nehmen. Vorsicht, Luisa, die Steine können tückisch sein, mahnt Patrick mit ruhiger Stimme. Manche sind vom Moos der letzten Regentage noch ein bisschen glitschig. Aber Luisa hört schon gar nicht mehr richtig zu. Sie ist in die Hocke gegangen und streicht mit ihrer Hand über eine tiefe Spalte zwischen zwei der gewaltigen Steinblöcke. Sia dreht sich jetzt auch um und beobachtet ihre kleine Schwester. Was machst du da, Luisa? Suchst du nach Berggeistern? Luisa antwortet nicht sofort. Ihr Blick ist hochkonzentriert. Sie hat etwas gesehen. Etwas, das nicht hierher gehört. Kein grauer Stein, kein grünes Moos und auch kein weggeworfener Müll von irgendeinem Wanderer Da funkelt was fl Luisa fast so als wolle sie das Ding nicht erschrecken Sia tritt einen Schritt n Tats Tief in der Ritze dort wo das schwindende Sonnenlicht gerade noch so einen schmalen Strahl hineinwirft blitzt ein metallischer Schimmer auf. Es ist kein grelles Blinken wie von Silber oder Edelstahl. Es ist ein warmer, rötlicher Glanz. Patrick kommt jetzt auch dazu und beugt sich über seine Töchter. Na, was habt ihr denn da entdeckt? Einen verlorenen Schatz? Er lacht ein wenig, aber als er sieht, wie ernst die beiden schauen, wird auch er neugierig. Luisa versucht, mit ihren schmalen Fingern in den Spalt zu greifen, aber sie kommt nicht ganz ran. Sia, hilf mir mal, deine Finger sind länger, bittet sie. Sia kniet sich ebenfalls in den Dreck, völlig egal, ob ihre Hose jetzt schmutzig wird. Sie schiebt ihren Zeigefinger vorsichtig in die Lücke. Es fühlt sich kalt an, sagt sie. Und fest. Es ist kein Papier. Ich glaube, es ist Metall. Mit viel Fingerspitzengefühl und ein bisschen Geduld schafft sie es schließlich, den Gegenstand ein Stück weit nach oben zu schieben. Luisa quiekt vor Aufregung auf, als das Ding endlich ganz zum Vorschein kommt und Sia es triumphierend in die Höhe hält. In Sias Hand liegt ein länglicher, leicht gebogener Gegenstand aus Kupfer. Er ist etwa so groß wie ein dicker Füllfederhalter, aber an den Enden flach verschlossen. Die Oberfläche ist von einer feinen Patina überzogen, diesem typischen Grünspann, der entsteht, wenn Kupfer sehr lange draußen an der Luft und im Regen liegt. Aber an den Stellen, wo Sia den Schmutz mit ihrem Daumen weggerieben hat, leuchtet das Metall wieder in seinem ursprünglichen, kupfernen Rotgold. Das ist kein normaler Stock und auch kein Teil von einer Wasserleitung, stellt Sia fest und dreht das Objekt langsam im Licht. Patrick nimmt den Fund vorsichtig entgegen. Er ist erstaunlich schwer für seine Größe. Schaut mal hier, sagt er und deutet auf die Oberfläche. Da ist etwas eingraviert. Luisa und Sia drücken ihre Köpfe ganz nah an Patricks Hand. In das Kupfer sind winzige, feine Linien geritzt. Es sieht fast aus wie ein Muster aus kleinen Wellen und zackigen Bergen Und da ganz am Rand erkennt Sia ein Symbol das sie schon mal irgendwo gesehen hat Es ist ein kleiner stilisierter L mit einer M die fast wie Flammen aussieht Ein L fl Luisa ehrf Wie bei der Löwenburg. Patrick runzelt die Stirn. Das ist wirklich seltsam. Dieser Gegenstand sieht uralt aus. Er wirkt fast so, als wäre er absichtlich dort in der Spalte versteckt worden, anstatt einfach nur verloren zu gehen. Er klopft vorsichtig mit dem Fingernagel gegen das Metall. Es klingt hohl. Sia schaut ihren Vater mit großen Augen an. Glaubst du, da ist etwas drin? Eine geheime Nachricht oder so? Patrick schüttelt den Kopf. Schwer zu sagen. Es scheint fest verschlossen zu sein. Vielleicht ist es eine Art Kapsel. Eine Zeitkapsel aus der Zeit, als der Park gebaut wurde? Die Aufregung der beiden Mädchen ist jetzt kaum noch zu bändigen. Der Fund hat die ruhige Abendstimmung schlagartig in ein echtes Abenteuer verwandelt. Luisa hüpft von einem Bein auf das andere. Wir müssen es aufmachen, Papa. Bitte, wir müssen wissen, was da drin ist. Aber Patrick bleibt vorsichtig. Nicht hier draußen im Halbdunkel, Luisa. Wenn da wirklich etwas Altes drin ist, wollen wir es nicht kaputt machen oder verlieren, wenn es uns aus der Hand fällt. Außerdem wird es jetzt wirklich dunkel. Schaut mal, der Herkules da oben wirkt schon fast wie ein Schattenbild. Sia nimmt die Kupferkapsel wieder an sich und umschließt sie fest mit ihrer Hand. Sie spürt die Kühle des Metalls, aber auch die seltsame Energie, die davon auszugehen scheint. Es fühlt sich wichtig an. Wie der erste Teil eines Puzzles, von dem sie noch gar nicht wussten, dass sie es lösen müssen. Während sie langsam beginnen, den Weg von den Kaskaden hinunter zu gehen, wandern Sias Gedanken zurück zu dem Löwenkopf. Warum ausgerechnet ein Löwe? Und warum hier, an den Kaskaden, die so weit weg von der Löwenburg liegen? Der Abstieg im Dämmerlicht ist jetzt eine ganz andere Erfahrung als der Aufstieg vorhin. Die Bäume am Rand der Wege wirken im Schatten viel größer und geheimnisvoller. Jedes Knacken im Unterholz lässt Luisa kurz zusammenzucken aber sie l sich nichts anmerken Sie h sich fest an Patricks Hand w Sia ein paar Schritte vorausgeht die Kapsel sicher in ihrer Jackentasche verstaut Die Luft riecht jetzt nach feuchter Erde und dem schweren Duft der alten Buchenwälder, die den Bergpark umgeben. Wisst ihr, fängt Patrick an, während sie über den Kiesweg knirschen, es gibt viele Legenden über diesen Ort. Der Landgraf, der das alles hier bauen ließ, liebte Geheimnisse und versteckte Symbole. Überall im Park gibt es kleine Hinweise auf die Geschichte der Ritter und die Mythen der alten Zeit. Vielleicht haben wir gerade einen dieser Hinweise gefunden. Sia bleibt kurz stehen und wartet auf die beiden. Aber wer hätte das da versteckt? Und warum sollte es jemand finden wollen? Das sind genau die richtigen Fragen, Sia, antwortet Patrick und lächelt. Aber um Antworten zu finden, müssen wir wohl tiefer in die Geschichte eintauchen. In diesem Moment wirkt der Park nicht mehr wie ein Ausflugsziel für Sonntage, sondern wie eine riesige, schlafende Kulisse für eine Geschichte, die gerade erst begonnen hat. Der kupferne Fund in Sias Tasche scheint fast ein wenig schwerer zu werden, je weiter sie sich von den Kaskaden entfernen. Als sie an einer Kreuzung ankommen, bleibt Sia abrupt stehen. Sie schaut nicht auf den breiten Hauptweg, der zurück zum Parkplatz führt. Ihr Blick fällt auf einen schmalen, fast zugewachsenen Pfad, der seitlich in den dichten Buchenwald abzweigt. Papa, schau mal, sagt sie leise und deutet auf den Pfad. Der kleine Löwe auf der Kapsel. Sein Blick war in diese Richtung gerichtet, als ich ihn vorhin gehalten habe. Luisa schaut skeptisch in den dunklen Wald. Aber da ist es voll dunkel, siehe. Patrick schaut auf seine Uhr und dann in die Richtung des Pfades. Eigentlich müssten wir langsam zum Auto. Aber die Neugier seiner Töchter, und ehrlich gesagt auch seine eigene, ist jetzt geweckt. Dieser schmale Weg führt direkt tiefer in den Wald hinein, weit weg von den beleuchteten Wegen und den vertrauten Plätzen. Sie wissen noch nicht, dass dieser kleine Kupferne Fund sie heute Abend noch viel weiter führen wird, als sie es sich bei ihrem Spaziergang am Herkules jemals vorgestellt hätten. Das Geheimnis beginnt gerade erst, sich vor ihnen zu entfalten, und der Wald scheint sie förmlich einzuladen, den nächsten Schritt zu wagen.

Verborgene Pfade im Buchenwald

Das metallische Scharren in Luisas kleiner Handtasche war das einzige Geräusch, das sie für einen Moment begleitete, als sie den kiesbestreuten Hauptweg hinter sich ließen. Papa Patrick blieb kurz stehen und warf einen Blick zurück zu den Kaskaden, die jetzt, da die Sonne tiefer sank, wie eine goldene Treppe in den Himmel wirkten. Er rückte seinen Rucksack zurecht und sah seine beiden Töchter an. Luisa, die mit ihren sieben Jahren fast vor Energie platzte, und Sia, die mit ihren zehn Jahren schon diese nachdenkliche Mine aufgesetzt hatte, die sie immer bekam, wenn sie ein Rätsel witterte. Das kleine, kupferne Ding, das sie eben erst unten am Wasserfall gefunden hatten, brannte ihnen förmlich in den Taschen. Es war kein normaler Fund, das fühlten sie alle drei. Es war zu schwer für ein einfaches Schmuckstück und zu seltsam geformt für ein gewöhnliches Werkzeug. Luise, Zert und Patrick's Armo. Guck mal, Papa, da vorne ist die Hecke gar nicht richtig zu, flüsterte sie, als dürfe der Park sie nicht hören. Patrick knifft die Augen zusammen. Tatsächlich, ein paar Meter abseits der breiten Promenade, dort, wo die mächtigen alten Buchen ihre Äste wie schützende Arme über den Boden hielten, gab es eine Lücke im dichten Grün. Es war kein offizieller Wanderweg, kein Schild wies dorthin, und die Parkverwaltung hatte diesen Pfad sicher nicht im Plan vorgesehen. Es war eher ein Trampelpfad, so schmal, dass man ihn fast übersehen hätte, wenn man nicht genau wie Luisa nach Geheimnissen Ausschau hielt. Sia trat einen Schritt vor und strich sich eine dunkle Haarsträhne aus der Stirn. Wenn wir da lang gehen, kommen wir tiefer in den Wald, sagte sie fachmännisch Sie liebte Karten und Orientierung Und sie wusste, dass sie sich hier im Bergpark Wilhelmshöhe befanden Dem größten seiner Art in Europa Aber sie wusste auch, dass dieser Park Orte hatte, die auf keinem Flyer standen Patrick zögerte einen Moment Er dachte an die Zeit, an das Abendessen, das sie eigentlich in der Stadt geplant hatten Aber dann sah er in die funkelnden Augen seiner T Und ehrlich gesagt packte ihn selbst die Neugier Der kupferne Fund in Luisas Tasche schien wie eine Eintrittskarte f etwas zu sein das über einen normalen Sonntagsausflug hinausging. Na gut, sagte er und lächelte, aber wir bleiben zusammen. Und wir achten darauf, wo wir hintreten. Der Waldboden ist hier nach dem Regen von gestern bestimmt rutschig. Sie verließen den befestigten Weg. Der Übergang war fast magisch. In dem Moment, als sie unter das Blätterdach der ersten riesigen Buche traten, veränderte sich die Akustik. Das ferne Murmeln der anderen Touristen und das ferne Rauschen der großen Wasserfälle verschwanden schlagartig. Stattdessen war da dieses tiefe, beruhigende Atmen des Waldes. Es roch nach feuchter Erde, nach Moos und nach dem süßlichen Duft von altem Holz. Der Boden unter ihren Füßen fühlte sich weich an, fast wie ein dicker, grüner Teppich. Luisa kniete sich kurz hin und berührte das Moos, das einen dicken Stein am Weckrand überzog. Es ist wie ein Kissen, Papa, flüsterte sie fasziniert. Der Pfad wandte sich in engen Kurven tiefer in den Buchenwald hinein. Die Bäume hier waren uralt. Ihre Stämme waren so dick, dass Sia und Luisa sie wahrscheinlich nicht einmal gemeinsam hätten umspannen können. Die Rinde der Buchen war glatt und grau, wie die Haut von riesigen Elefanten, die hier im Stehen eingeschlafen waren. Gelegentlich knackte ein Ast unter ihren Sohlen, und jedes Mal schreckten sie kurz auf, nur um sich dann gegenseitig anzugrinsen. Patrick beobachtete, wie das Licht der tiefstehenden Sonne nur noch in einzelnen, schmalen Strahlen durch das dichte Laub drang. Es sah aus wie Scheinwerfer in einer riesigen, grünen Kathedrale. Sia blieb plötzlich stehen und hielt den Atem an. Hört ihr das? Die Familie erstarrte. Zuerst hörten sie nur den Wind, der hoch oben in den Wipfeln der Buchen spielte, ein Geräusch wie das Rauschen eines fernen Meeres Aber dann war da noch etwas anderes Ein leises rhythmisches Klopfen Luisa klammerte sich an Patricks Hand Ist das ein Geist fragte sie mit einer Mischung aus Grusel und Begeisterung Patrick lachte leise und deutete mit dem Finger nach oben zu einem morschen Stamm. Nein, Schätzchen, schau mal dort oben. Das ist ein Specht. Er sucht nach Abendessen. Tatsächlich sahen sie einen kleinen, bunt gefiederten Vogel, der mit unglaublicher Geschwindigkeit gegen das Holz hämmerte. Es wirkte fast so, als würde er ihnen einen Takt für ihren Marsch vorgeben. Sie setzten ihren Weg fort, und der Pfad wurde steiler. Das Moos wurde dichter und schien den Weg regelrecht zu verschlucken. Manchmal mussten sie über umgestürzte Stämme klettern, die mit Fahnen bewachsen waren, die so groß waren wie Luisa selbstsieher fühlte sich wie eine Entdeckerin im Dschungel, weit weg von der Zivilisation, obwohl sie wussten, dass Kassel und die Stadt eigentlich ganz nah waren. Aber hier, zwischen den Buchen, zählte nur das Hier und Jetzt. Das Gefühl von Abenteuer lag schwer und aufregend in der Luft. Papa, glaubst du, das Ding in meiner Tasche gehört jemandem, der hier früher gelebt hat? Fragte Luisa plötzlich und holte das kupferne Fundstück noch einmal heraus. Im dämmerigen Waldlicht wirkte das Metall fast so, als würde es von innen heraus leuchten. Patrick nahm es ihr kurz ab und drehte es zwischen den Fingern. Es könnte sein, sagte er nachdenklich. Dieser Park ist hunderte von Jahren alt. Hier haben Landgrafen und Kurfürsten ihre Träume in Stein und Natur verwandelt. Sie haben Grotten bauen lassen, künstliche Ruinen und Wege, die nur dazu da waren, die Gäste zu verwirren und zu staunen zu bringen. Vielleicht ist das hier ein Teil von einem alten Mechanismus. Oder vielleicht sogar ein Schlüssel. Ein Schlüssel! Sia rief es fast ein bisschen zu laut, und ein paar Vögel flatterten erschrocken aus dem Gebüsch. Wenn es ein Schlüssel ist, dann muss es auch ein Schloss geben. Und wo gibt es Schlösser? In Turin. Sie beschleunigte ihren Schritt Der Pfad machte eine scharfe Biegung um eine Gruppe von riesigen Felsbrocken die aussahen als h ein Riese sie dort einfach fallen lassen Diese Steine waren über und über mit Flechten bewachsen, die in grauen und neongrünen Mustern leuchteten. Hinter den Felsen öffnete sich der Wald ein wenig. Der Pfad führte nun an einem kleinen, fast völlig zugewachsenen Bachlauf entlang, der leise vor sich hin gluckerte. Hier war es spürbar kühler. Der Nebel begann in kleinen Schwaden über dem Boden zu tanzen, was die ganze Szenerie noch geheimnisvoller machte. Luisa blieb stehen und sah an einem der Bäume hoch. Die Äste hingen hier so tief, dass sie fast den Boden berührten. Es wirkte wie ein Vorhang. Wir sind jetzt schon ein ganz schönes Stück gelaufen, stellte Patrick fest und blickte auf seine Uhr. Aber er wollte jetzt auch nicht mehr umkehren. Etwas an diesem vergessenen Pfad zog sie weiter. Es war, als würde der Wald sie führen, als gäbe es eine unsichtbare Schnur, die sie immer weiter den Hang hinaufzog. Sia bemerkte, dass die Bäume sich veränderten. Zwischen den Buchen tauchten nun immer öfter dunkle Nadelbäume auf und der Boden wurde steiniger. Wir nähern uns dem Bereich, wo die alten Mauern anfangen, vermutete sie. Plötzlich blieb Sia abrupt stehen. Sie legte den Finger auf die Lippen und deutete nach vorne. Dort, wo der Pfad wieder enger wurde und zwischen zwei massiven Felswänden verschwand, schien sich etwas zu verändern. Der Wald wirkte dort nicht mehr wild, sondern geordneter, fast so, als hätten Menschenhand und Natur dort einen Pakt geschlossen. Ein kalter Luftzug wehte ihnen entgegen, der nach altem Stein und Abenteuer roch. Luisa drückte das kupferne Fundstück fest in ihre Hand. Sie spürte, dass sie nicht mehr weit von dem Ort entfernt waren, zu dem dieser Gegenstand gehörte. Sie hatten die breiten Wege endgültig hinter sich gelassen und waren nun mittendrin im Geheimnis der Löwenburg, auch wenn sie den ersten Turm noch gar nicht sehen konnten. Der Wald um sie herum schien den Atem anzuhalten, genau wie die drei Entdecker aus Kassel.

Das Echo der alten Ritter

Die Schritte der drei halten auf eine ganz eigentümliche Weise wieder, während sie den schmalen, moosbedeckten Pfad weiter hinaufstiegen. Der dichte Buchenwald des Bergparks schien die Geräusche der Außenwelt regelrecht zu verschlucken. Das ferne Rauschen der Stadt Kassel war längst verstummt, und selbst das Plätschern der Wasserfälle, an denen Luisa vorhin diesen seltsamen kupfernen Gegenstand gefunden hatte, war nur noch ein Hauch von einer Erinnerung. Es roch nach feuchter Erde, nach altem Holz und nach diesem ganz speziellen Duft, den nur ein Wald hat, wenn die Sonne langsam tiefer sinkt und die Schatten länger werden. Sia, die mit ihren zehn Jahren schon einen geschulten Blick für Details hatte, lief ein paar Schritte voraus. Sie hielt den kleinen, kupfernen Fund fest in ihrer Hand umschlossen. Das Metall fühlte sich in der kühlen Waldluft überraschend warm an. Fast so, als würde es eine eigene, winzige Energie verströmen. Hinter ihr stapfte Luisa, die siebenjährige Abenteurerin, die bei jedem Knacken eines Zweiges stehen blieb und mit großen Augen in das Dickicht spähte. Ganz hinten bildete Papa Patrick das Schlusslicht, der immer wieder einen prüfenden Blick auf seine beiden Entdeckerinnen warf und sich über den Abenteuergeist seiner Töchter freute. Schaut mal da vorne, sagte Patrick und deutete durch die Lücken im Blätterdach. Die grauen Zinnen und Türme der Löwenburg schälten sich wie aus dem Nichts aus dem Grün der Bäume hervor. Es war ein herrschaftlicher Anblick, fast so, als wäre man plötzlich in der Zeit zurückgereist. Die Burg sah aus, als hätte sie schon tausend Jahre an diesem Hang überlebt, mit ihren verwitterten Steinen und den kleinen Erkern, die wie wachsame Augen in die Ferne blickten. Papa, haben hier wirklich echte Ritter gewohnt? fragte Luisa mit leiser Stimme, während sie ehrfürchtig zu den hohen Mauern hinaufstate. Sie rückte ein Stück näher an Sia heran. Patrick lachte leise und schüttelte den Kopf. Das ist das eigentliche Geheimnis dieser Burg Luisa Wisst ihr als die L gebaut wurde gab es eigentlich schon gar keine Ritter Meer im klassischen Sinne Landgraf Wilhelm IX hat sie vor etwas mehr als 200 Jahren errichten lassen Er wollte einen Ort schaffen, der so aussieht, als käme er direkt aus einer alten Sage. Er hat sie absichtlich so bauen lassen, dass sie alt und ein bisschen zerfallen wirkt, wie eine echte Ruine aus dem Mittelalter. Er nannte es Romantik. Er wollte sich wie ein stolzer Ritter fühlen, auch wenn er eigentlich in einer ganz anderen Zeit lebte. Aber trotzdem sieht es hier so aus, als könnten jeden Moment Pferde über die Zugbrücke galoppieren, warf Sia ein, die ihren Blick nicht von dem Bauwerk abwenden konnte. Patrick nickt Sustamant. Das stimmt, Sia. Und wisst ihr, was das Spannendste ist? Auch wenn sie als Scheinruine gebaut wurde, steckt sie voller echter Geschichte. Im Inneren gibt es eine Rüstkammer mit Waffen und Harnischen, die tatsächlich aus dem Mittelalter stammen. Und unter der Kapelle gibt es eine Gruft, in der der Landgraf selbst begraben liegt. Man sagt, der Geist der alten Ritter würde durch diese Mauern wehen, weil der Ort so viel Ehrfurcht ausstrahlt. Sia hörte nur halb zu. Ihr Blick war an einem besonders alten, knorrigen Buchenstamm hängen geblieben, der direkt am Rand ihres Pfades stand. Der Baum war riesig, seine Rinde glatt und silbrig grau, doch in etwa zwei Metern Höhe war etwas Ungewöhnliches zu sehen. Sie kniff die Augen zusammen und trat näher an den Stamm heran. Während Patrick weiter davon erzählte, wie der Landgraf damals seine Gäste mit der künstlichen Burg beeindruckt hatte, strich sie ja vorsichtig mit den Fingern über die Rinde des Baumes. »Papa, Luisa, kommt mal her«, rief sie leise, »aber bestimmt. Seht euch das mal an.« Patrick und Luisa unterbrachen ihr Gespräch und traten zu ihr. In die Rinde war eine Markierung eingeritzt worden. Es war kein frischer Schnitt, die Ränder waren bereits leicht vernarbt und mit einer dünnen Schicht aus hellgr Moos was die Zeichen fast unsichtbar machte wenn man nicht genau hinsah Das Symbol war kreisrund und in der Mitte befand sich eine Form die an eine stilisierte Tatze erinnerte oder vielleicht an ein Wappen Das sieht aus wie ein Löwenfuß, flüsterte Luisa aufgeregt. Genau wie auf dem Wappen der Burg. Patrick beugte sich vor und strich sich nachdenklich über das Kinn. Das ist seltsam. Diese Markierungen findet man normalerweise nicht an den offiziellen Wegen. Es sieht fast so aus, als hätte jemand hier eine Spur hinterlassen. Aber wer macht sich heute noch die Mühe, so etwas so präzise in einen Baum zu schnitzen? Sia holte den kupfernen Gegenstand aus ihrer Tasche hervor, den Luisa am Wasserfall gefunden hatte. Sie hielt ihn neben die Schnitzerei im Baumstamm. Ein kleiner Schauer lief ihr über den Rücken, als sie sah, dass die Form auf dem Metall fast identisch mit der Markierung am Baum war. Die Linien passten perfekt zusammen. Das ist kein Zufall, sagte Sia mit einer Entschlossenheit, die selbst Patrick überraschte. Der Gegenstand, den Luisa gefunden hat, gehört zu diesem Zeichen. Und der Baum hier ist wie ein Wegweiser. Seht ihr, wie die Krallen der Löwentatze in eine ganz bestimmte Richtung zeigen? Sie deuteten nicht nach oben zur Hauptpforte der Burg, wo die meisten Touristen entlang gingen, sondern schräg nach unten, in eine Senke, die von dichtem Efeu und wildem Fahnen überwuchert war. Dort unten, im Schatten der massiven Fundamente der Löwenburg, wirkte der Wald noch ein Stück dunkler und unberührter. Die Mädchen tauschten einen Blick aus. In Sias Augen blitzte die Neugier, während Luisa zwar ein bisschen zögerlich wirkte, aber den Griff um Sias Hand verstärkte. »Sollen wir wirklich da lang?«, fragte Luisa leise. Patrick sah zwischen seinen Töchtern und der Richtung, in die die Markierung wies, hin und her. »Eigentlich sollten wir auf den Wegen bleiben«, sagte er mit einem Hauch von Vorsicht in der Stimme. Aber ich muss zugeben, das ist mehr als nur ein Zufall. Es fühlt sich an, als w uns der Bergpark heute seine ganz eigene Geschichte erz wollen Eine Geschichte die nicht in den Reisef steht Er legte seinen T jeweils eine Hand auf die Schulter Also gut Abenteurerinnen. Wir folgen dem Löwenpfad. Aber bleibt dicht bei mir und passt auf, wo ihr hinretet. Der Boden hier ist tückisch. Sie verließen den festgetretenen Pfad und stiegen vorsichtig den Hang hinunter. Das Laub raschelte laut unter ihren Füßen und ab und zu knackte ein trockener Ast. Das Echo ihrer Schritte schien sich zwischen den Burgmauern und den Bäumen zu verfangen, fast so, als würden unsichtbare Begleiter mit ihnen wandern. Sia ging voran, den Blick immer wieder auf den kupfernen Fund in ihrer Hand gerichtet, als wäre er ein Kompass, der sie leitete. Je tiefer sie in die Senke gelangten, desto kühler wurde die Luft. Die gewaltigen Basaltsteine des Burgfundaments ragten nun direkt vor ihnen auf, schwarz und abweisend, von Jahrhunderten gezeichnet. Hier unten wirkt alles so anders, flüsterte Luisa. als ob die Burg uns beobachtet. Patrick nickt. Das ist das Echo der alten Ritter, Luisa. Die Mauern haben Ohren, und sie bewahren Geheimnisse, von denen wir nur träumen können. Aber wir haben ja jetzt einen Schlüssel. Oder zumindest etwas, das uns den Weg zeigt. Sia blieb plötzlich stehen. Sie war an einer Stelle angekommen, an der das Fundament der Burg eine kleine Einbuchtung bildete. Der Efeu hing hier besonders dick und schwer von den Steinen herab, wie ein grüner Vorhang, der etwas Kostbares verbarg. Sie spürte, dass sie genau am richtigen Ort waren. Die Markierung am Baum hatte sie direkt hierher geführt. Mit klopfendem Herzen griff sie nach den langen Ranken des Ephäus und zog sie ein Stück beiseite. Dahinter, halb im Schatten und tief in den dunklen Stein eingelassen, schimmerte etwas, das dort eigentlich gar nicht sein dürfte. Ein Raunen ging durch die kleine Gruppe, als sie erkannten, dass sie nicht nur am Ende eines Pfades angekommen waren, sondern am Anfang eines ganz neuen Geheimnisses.

Die Pforte im Schatten der Burg

Die Löwenburg türmte sich vor ihnen auf wie ein steinernes Skelett aus einer anderen Zeit. Obwohl sie wussten, dass diese Burg eigentlich gar keine echte Festung aus dem Mittelalter war, sondern viel später absichtlich als Ruine erbaut wurde, wirkte sie in diesem Moment alles andere als künstlich. Die Schatten der Türme legten sich wie lange, dunkle Finger über den Rasen und die Luft hier oben, direkt an den massiven Mauern, fühlte sich plötzlich ein paar Grad kühler an als im Buchenwald. Sia hielt kurz inne und blickte an der rauen Fassade empor. Sie spürte, das kühle Metall des kupfernen Gegenstandes in ihrer Jackentasche, den Luisa an den Kaskaden gefunden hatte. Es fühlte sich fast so an, als würde er leicht vibrieren, aber vielleicht war das auch nur ihr eigener Herzschlag, der bis in ihre Fingerspitzen pochte. Papa Patrick blieb ein paar Schritte hinter ihnen stehen und ließ den Blick über die Zinnen schweifen. Er erklärte ihnen mit gedämpfter Stimme, dass der Landgraf damals eine perfekte Kulisse schaffen wollte, einen Ort, der Träume und alte Legenden wachküsst. Aber für Sia und Luisa fühlte sich das hier gerade nicht nach einer bloßen Kulisse an. Die Markierung an dem alten Baumstamm, die sie im Wald entdeckt hatten, war eindeutig gewesen. Sie hatte genau in diese Richtung gezeigt, auf die Rückseite der Burg, dorthin, wo das Gelände abfällt und die Mauern tief in den Hang eingegraben sind. Luisa, die sonst nie stillstehen konnte, bewegte sich jetzt ganz vorsichtig. Sie strich mit der Hand über den rauen Sandstein der Grundmauern. Hier hinten wucherte das Efeu besonders dicht. Es war ein tiefes, dunkles Grün, das fast schon schwarz wirkte, wo das Licht der untergehenden Sonne nicht mehr hinkam. Die dicken Ranken klammerten sich wie kräftige Arme an den Stein, als wollten sie die Burg vor neugierigen Blicken schützen. Sia beobachtete ihre kleine Schwester. Luisa hatte ein unglaubliches Gespür für Details. Während Sia oft das große Ganze sah und was die Zeichen bedeuten k entdeckte Luisa die winzigen Dinge am Boden oder in den Nischen Und tats blieb Luisa pl stehen Sie b sich tief so tief dass ihre Knie fast den feuchten Boden ber Sie flüsterte ganz leise, fast so, als dürfe der Wind sie nicht hören. Sia, call Malher. Hier ist was. Patrick kam auch näher, blieb aber respektvoll ein Stück zurück, um den Entdeckergeist seiner Töchter nicht zu stören. Sia kniete sich neben Luisa. Zuerst sah sie nur Blätter. Unmengen an Efeublättern, die übereinander lagen wie die Schuppen eines Drachen. Doch Luisa deutete auf eine Stelle, an der die Ranken besonders dick waren und fast kreisförmig verliefen. Sie griff mit den Fingern in das dichte Grün und schob vorsichtig ein paar Zweige beiseite. Dahinter kam etwas zum Vorschein, das ganz sicher nicht aus Stein war. Es war Holz. Dunkles, schweres Eichenholz, das über die Jahrzehnte fast die Farbe der Schatten angenommen hatte. Sia half ihrer Schwester und gemeinsam zogen sie an dem dichten Vorhang aus Blättern. Es raschelte und knackte, und ein erdiger Geruch von altem Laub und feuchtem Holz stieg ihnen in die Nase. Nach und nach legten sie eine kleine Tür frei. Sie war nicht hoch, vielleicht gerade mal so groß, dass Luisa aufrecht hindurchgehen könnte, während Sia und ihr Papa sich wohl tief bücken müssten. Die Pforte war tief im Fundament der Burgruine versenkt, fast so, als wäre sie ein Teil der Erde selbst. Sie hatte keine Klinke, keinen modernen Griff, sondern nur schwere, verrostete Eisenbeschläge, die das Holz zusammenhielten. Das Holz war von tiefen Furchen durchzogen, gezeichnet von der Zeit und der Feuchtigkeit, die hier im Schatten der Burg ewig zu herrschen schien. Wahnsinn, murmelte Patrick, der nun direkt hinter ihnen stand und über ihre Köpfe hinwegblickte. Ich dachte, ich kenne jeden Winkel der Löwenburg, aber diese Tür habe ich noch nie gesehen. Sie ist perfekt getarnt Wahrscheinlich ist sie seit Ewigkeiten nicht mehr ge worden Schaut euch das an das Efeu ist an einigen Stellen richtig mit dem Holz verwachsen Luisa ber vorsichtig die Oberfl der T Sie f sich ganz kalt an sagte sie leise Und sie sieht aus, als würde sie schlafen. Sie ernickte. Ihr Blick wanderte über die gesamte Fläche der kleinen Pforte, bis sie genau in der Mitte, etwas unterhalb der oberen Beschläge, eine kleine Vertiefung entdeckte. Es war kein gewöhnliches Schlüsselloch, wie man es von einer Haustür kannte. Es war eine unregelmäßige Öffnung, die fast wie ein Stern oder eine stilisierte Blume geformt war. Sias Hand wanderte automatisch zu ihrer Tasche. Sie holte den kupfernen Fund hervor, den Luisa an den Kaskaden entdeckt hatte. Im schwachen Licht, das noch durch die Bäume drang, schimmerte das Metallmatt. Es war ein flaches, seltsam geformtes Stück Kupfer mit Zacken und Einkerbungen, das sie bisher für ein einfaches Fundstück oder vielleicht einen Teil eines alten Zierrads gehalten hatten. Doch jetzt, wo sie es direkt vor die Öffnung in der Holztür hielt, sah man die Ähnlichkeit. Die Zacken des Gegenstandes schienen genau zu den Aussparungen im Holz zu passen. Die Mädchen sahen sich an. In ihren Augen spiegelte sich eine Mischung aus purer Aufregung und einer winzigen Portion Angst. Was würde dahinter sein? Ein alter Keller? Ein geheimer Gang, der unter den Bergpark führt? Oder vielleicht doch nur eine vergessene Abstellkammer des Burgherren? Patrick legte Sia eine Hand auf die Schulter. Es ist okay, wenn ihr jetzt nicht weiter wollt, sagte er sanft. Wir können auch einfach morgen wiederkommen, wenn es hell ist. Aber Sia schüttelte den Kopf. Sie wusste, wenn sie jetzt gingen, würde sie keine Minute schlafen können. Das Geheimnis der Löwenburg war zum Greifen nah. Die Markierung am Baum, der kupferne Schlüssel, die versteckte Pforte im Efeu. Alles fühlte sich so an, als wäre es genau für diesen Moment arrangiert worden. Die k Brise die jetzt durch die Ruinen wehte lie die Bl um sie herum fl als w die alten Steine der Burg ihnen Mut zusprechen Luisa trat einen Schritt zur und machte Platz f ihre gro Schwester Du musst es machen Sia sagte sie bestimmt Du hast das Zeichen am Baum gefunden. Sia atmete tief ein. Die Luft war jetzt so still, dass man das ferne Plätschern eines Brunnens hören konnte, das irgendwo im Park nachklang. Sie hob den kupfernen Schlüssel. Ihre Finger zitterten ganz leicht, als sie ihn langsam auf das dunkle Holz zubewegte. Die Tür schien fast darauf zu warten. Das Efeu, das sie eben beiseite geschoben hatten, schien sich im Wind leicht zu bewegen, als wollte es wieder zurück über das Holz gleiten und das Geheimnis erneut zudecken. Aber Sia war schneller. Sie suchte den richtigen Winkel, drehte das kupferne Stück ein wenig nach links und dann nach rechts, bis die Zacken perfekt in die Vertiefung glitten. Es gab keinen Widerstand. Es war, als hätte das Schloss über hundert Jahre lang genau auf dieses eine Stück Metall gewartet. Sia spürte, wie der Schlüssel einrastete. Ein leises, metallisches Geräusch war zu hören, ein sanftes Schaben von Metall auf Metall, das in der Stille der Dämmerung seltsam laut wirkte. Sie schaute zu ihrem Papa, der nur zustimmend nickte und die Taschenlampe seines Handys bereit hielt, um Licht ins Dunkel zu bringen, sobald sich die Pforte öffnete. Luisa hielt sich am Ärmel von Patricks Jacke fest, ihre Augen waren weit geöffnet und fest auf die Tür gerichtet. Jetzt gibt es kein Zurück mehr, dachte Sia. Das Schloss war entriegelt. Der Weg ins Innere der Burg, dorthin, wo keine Touristen hinkamen und wo die Zeit vor langer Zeit stehen geblieben war, lag unmittelbar vor ihnen. Sie legte die flache Hand gegen das schwere Holz und spürte den Widerstand. Die Tür war schwer, sehr schwer. Aber sie wusste, dass sie sie gemeinsam aufdrücken konnten. Der nächste Moment würde alles verändern, was sie über den Bergpark und die alte Löwenburg zu wissen glaubten. Mit einem letzten tiefen Atemzug bereitete sie sich darauf vor, gegen das Holz zu drücken und den Klick zu hören, der die Dunkelheit hinter der Pforte endlich freigeben würde.

Ein Klick in der Dunkelheit

Da stehen sie nun, im tiefen Schatten der Löwenburg, während sich der Himmel über Kassel in ein tiefes, samtiges Violett verwandelt. Es ist dieser ganz besondere Moment am Abend, wenn die Vögel im Bergpark allmählich verstummen und nur noch das Rascheln der alten Buchen zu hören ist, die wie riesige Wächter um die künstliche Ruine stehen. Sia hält den kupfernen Gegenstand so fest in der Hand, dass ihre Knöchel weiß hervortreten. Es ist kein gewöhnlicher Fund, das spüren sie alle drei. Das Metall fühlt sich in der kühlen Abendluft fast warm an, als hätte es nur darauf gewartet, nach all den Jahren wieder von jemandem berührt zu werden. Luisa steht direkt neben ihr, so nah, dass sie ja ihren schnellen Atem hören kann. Papa Patrick hat die Hand vorsichtig auf Luisas Schulter gelegt, teils um sie zu beruhigen, teils weil er selbst merkt, wie sein Herz ein kleines bisschen schneller klopft. Es ist eine Sache, von alten Rittern und versteckten Gängen zu erzählen, aber es ist eine ganz andere Sache, plötzlich vor einer Tür zu stehen, die in keinem Reiseführer verzeichnet ist. Diese kleine Holztür, die fast vollständig hinter dem dichten, dunklen Efeu verschwunden war, wirkt wie ein Eingang in eine andere Zeit. Das Holz ist silbrig-grau verwittert, aber die Eisenbeschläge sind massiv und trotzen seit Jahrhunderten dem Wetter. Sia atmet noch einmal tief durch. Die kühle Luft des Habichtswaldes füllt ihre Lungen und gibt ihr den Mut, den sie jetzt braucht. Sie schaut ihren Papa an, und Patrick nickt ihr aufmunternd zu. Dann führt sie den kupfernen Schlüssel, den sie unten an den Kaskaden gefunden haben, langsam zum Schlüsselloch. Es ist ein schweres, schmiedeeisernes Schloss, das fast ein wenig bedrohlich wirkt. Luisa hält sich an Patricks Jacke fest. Das Metall des Schlüssels kratzt ganz leise an der Umrandung. Ein Geräusch, das in der Stille des Parks unnatürlich laut wirkt Sia muss die Hand ein wenig drehen Der Schl passt perfekt als w er genau f diesen einen Moment vor Hunderten von Jahren geschmiedet worden Und dann passiert es Ein trockenes metallisches Klick halt durch die D Es ist kein leichtes Geräusch, sondern ein sattes, tiefes Einrasten von Mechanik, die seit Ewigkeiten nicht mehr bewegt wurde. Sia spürt den Widerstand, der nachgibt. Ein Ruck geht durch ihren Arm, und plötzlich ist da kein Halten mehr. Die Tür schwingt nicht einfach auf, sie seufzt fast, als würde das alte Holz die Last der Geheimnisse abschütteln. Ein schmaler Spalt öffnet sich, und ein Schwall kühler, nach Stein und altem Staub riechender Luft schlägt ihnen entgegen. Luisa flüstert ganz leise, fast ehrfürchtig, ob sie wirklich da reingehen sollen. Patrick zögert einen Moment, holt dann aber sein Handy aus der Tasche und schaltet die Taschenlampe ein. Der helle Lichtstrahl schneidet durch die Dunkelheit hinter der Tür und tanzt über feuchte Steinwände. Es ist kein großer Saal, der sich dort offenbart, sondern eine kleine, schmale Kammer, die tief in das Fundament der Löwenburg gemauert wurde. Die Wände bestehen aus demselben dunklen Tuffstein wie die Burg selbst, aber hier drinnen hat die Zeit stillgestanden. Es gibt keine Spinnweben, die von der Decke hängen, was sie ja ein wenig wundert. Es ist fast so, als wäre dieser Ort durch einen Zaubersauber gehalten worden. Vorsichtig treten sie über die Schwelle. Der Boden unter ihren Füßen ist uneben. Jeder Schritt halt dumpf wieder. Patrick leuchtet den Raum aus. In der Mitte steht ein kleiner, runder Tisch aus dunklem Eichenholz, und darauf liegt etwas, das Sias Herz noch einmal schneller schlagen lässt. Es ist eine kleine Schatulle aus dunklem Metall, verziert mit feinen Gravuren, die das Wappen der Landgrafen zeigen, aber in einer Form, die Sia noch nie gesehen hat. Luisa vergisst ihre Angst und tritt näher. Schau mal Papa fl sie da liegt ein Brief Und tats neben der Schatulle liegt ein vergilbtes St Pergament das mit einem dunkelroten Siegel verschlossen ist Patrick b sich und beleuchtet das Dokument Die Schrift ist geschwungen und altmodisch, fast unleserlich für die Kinder, aber Sia erkennt einige Worte. Es ist eine Botschaft an diejenigen, die den Weg gefunden haben. Es geht um die Bewahrung der Geschichten, um das Erbe der Stadt und darum, dass das größte Abenteuer nicht im Gold liegt, sondern im Wissen um die eigene Herkunft. In der Schatulle finden sie keine Goldmünzen, wie Luisa es sich vielleicht erträumt hatte, sondern etwas viel Wertvolleres für jemanden mit Fantasie. Es sind alte Skizzen der Wasserspiele, Originalpläne, die zeigen, wie der Herkules und die Kaskaden einst geplant waren, bevor sie gebaut wurden. Es sind Zeichnungen von geheimen unterirdischen Kanälen, die das Wasser durch den ganzen Bergpark leiten. Und ganz unten in der Dose liegt eine kleine Medaille aus demselben Kupfer wie der Schlüssel, auf der das Datum des heutigen Tages eingraviert ist. Aber mit einer Jahreszahl, die weit in der Zukunft liegt. Wie kann das sein? Patrick lächelt geheimnisvoll und streicht ihr über das Haar. Vielleicht, sagt er leise, ist die Löwenburg nicht nur ein Ort aus Stein, sondern ein Ort, an dem die Zeit anders fließt. Er erinnert sie daran, dass der Erbauer der Burg, Landgraf Wilhelm der Neunte, ein Mann war, der Rätsel liebte und die Natur als eine Bühne für seine Träume nutzte. Vielleicht haben sie gerade einen Teil dieses Traums gefunden. Sie entscheiden gemeinsam, die Schatulle und die Pläne dort zu lassen, wo sie sind. Es fühlt sich richtig an, das Geheimnis der Burg zu bewahren, anstatt es einfach mit nach Hause zu nehmen. Sia schließt die Schatulle vorsichtig und Patrick macht ein paar Fotos von den Plänen, damit sie später im Internet recherchieren können, was die Zeichen zu bedeuten haben. Als sie die kleine Kammer verlassen zieht Sia die schwere T wieder hinter sich zu Der Schl dreht sich fast wie von selbst zur und das metallische Klick klingt diesmal wie ein zufriedener Abschiedsgru Drau ist es nun fast völlig dunkel geworden. Die Lichter von Kassel funkeln tief unten im Tal wie ein Meer aus kleinen Diamanten. Der Herkules hoch über ihnen ist hell erleuchtet und wacht majestätisch über die Stadt. Während sie den moosbewachsenen Pfad zurück zu den Breitenwegen nehmen, halten sich die beiden Schwestern an den Händen. Luisa plappert schon wieder davon, dass sie morgen in der Schule erzählen wird, sie hätten einen echten Ritterschatz gefunden, aber Sia bleibt still und lächelt in sich hinein. Sie weiß, dass der wahre Schatz der Moment war, als das Schloss nachgab, und das Gefühl, dass sie gemeinsam etwas entdeckt haben, das nur für sie bestimmt war. Patrick schaut seine beiden Entdeckerinnen stolz an. Er weiß, dass dieser Ausflug zum Bergpark Wilhelmshöhe etwas in ihnen verändert hat. Sie schauen die Welt jetzt mit anderen Augen an. Achten auf die kleinen Details, auf die Markierungen an den Bäumen und das Funkeln im Wasser. Als sie schließlich das Auto erreichen und die Heizung die Klammen Finger wärmt, herrscht eine friedliche Stille. Die Abenteuerreise durch Kassel ist für heute zu Ende. Aber Sia weiß genau, dass dies erst der Anfang war. In ihrem Kopf entstehen schon Pläne für den nächsten Ausflug. Vielleicht zur Kahlsaue oder hoch in den Habichtswald, wo die alten Sagen von Riesen und Zwergen erzählen. Kassel schläft noch nicht, während sie durch die Straßen nach Hause fahren, vorbei am Schloss Wilhelmshöhe, das im Mondlicht fast wie aus Silber gegossen wirkt. Das Geheimnis der Löwenburg ist nun ihr gemeinsames Geheimnis, ein unsichtbares Band, das sie noch fester zusammenschweißt. Und tief in ihrer Jackentasche spürt Sia immer noch den Abdruck des kupfernen Schlüssels, den sie vorsorglich wieder an seinen rechtmäßigen Platz unter dem Stein am Wasserfall zurückgelegt haben. Denn jedes gute Geheimnis braucht jemanden, der es hütet. Und Sia, Luisa und Patrick sind ab heute die offiziellen Hüter der Löwenburg.