Pit Pinguin und die Nacht der tanzenden Lichter

Eine sanfte Gute-Nacht-Geschichte über das Pinguinkind Pit, das zum ersten Mal nach Einbruch der Dunkelheit wach bleiben darf und mit seiner Großmutter das zauberhafte Lichtertanzen am Südhimmel erlebt.

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Ein ganz besonderer Abend

Ganz weit im Süden, wo der Schnee so weich ist wie dicke Wattewolken und das Meer ganz leise ans Eis flüstert, lebt ein kleiner Pinguin, der Pit heißt. Pit hat fluffige graue Daunen, einen runden weißen Bauch und kleine Füße, die beim Watscheln leise über den Schnee tapsen. Rund wie eine Schneekugel sieht er aus, und wenn er steht und sich langsam dreht, dann schwappt sein Bauch so freundlich hin und her, dass man ihn fast nicht ohne Lächeln anschauen kann. Jeden Abend, wenn die dunkelblaue Nacht langsam über die Eiswelt sinkt, kuschelst du dich vielleicht auch in dein Bett, genau wie Pit in sein weiches Federnnest. Normalerweise ist es für Pit dann Zeit zu schlafen. Doch heute ist alles ein bisschen anders. Heute hat Pits Großmutter ein ganz besonderes Geheimnis. Mein kleiner Pit, sagt sie und streichelt ihn sanft über den Kopf, heute darfst du zum ersten Mal wach bleiben, wenn es dunkel wird. Ich möchte dir etwas zeigen, das man nur in der Nacht sehen kann. Pit macht die Augen ganz groß. Wach bleiben? Mitten in der Nacht? Ein warmes Kribbeln breitet sich in seinem Bauch aus, und seine kleinen Flossen zappeln vor Aufregung fröhlich hin und her. Wirklich, Oma?, fragt Pit. Darf ich wirklich mitkommen? Die Großmutter nickt und lächelt. Natürlich, mein Liebling. Aber wir gehen ganz ruhig und ganz gemütlich. Die Nacht ist ein guter Freund. Sie hüllt uns ein wie eine weiche, dunkle Decke und zeigt uns etwas ganz Besonderes. Voller Vorfreude kuschelt sich Pit an seine Großmutter. Er schmiegt seinen weichen Kopf gegen ihre warme Seite und hört, wie ihr Herz ganz ruhig schlägt. Ein ruhiges, sicheres Tuck-tuck. Was werde ich sehen?, fragt Pit mit großen, leuchtenden Augen. Die Großmutter zwinkert. Lass dich überraschen, flüstert sie. Die Nacht hat ein Geheimnis für dich, etwas Schönes, das am Himmel wohnt und schon bald zu tanzen beginnt. Pit horcht. Draußen wird es dunkler und dunkler. Die Sterne wachen auf und zwinkern durch den klaren, kalten Himmel. Der Schnee glitzert, als hätte jemand winzige Kristalle darüber gestreut. Die Luft schmeckt frisch und rein, und alles ist ganz, ganz still. Pit seufzt zufrieden. Er liebt es, wenn die Großmutter so leise und freundlich erzählt. Er wartet. Ganz still. Ganz gespannt. Mit einem Herzen voller Vorfreude. Und wenn du magst, bleib noch ein kleines bisschen bei Pit. Bald geht es los, hinaus in die funkelnde Nacht, über den weichen Schnee bis hinauf zu einem kleinen Hügel, wo der Himmel sein schönstes Geheimnis zeigt. Aber das erzähle ich dir gleich, im nächsten Kapitel.

Weg in die sanfte Nacht

"Komm, kleiner Pit", sagt die Großmutter leise. "Jetzt gehen wir hinaus in die Nacht." Pit hüpft einmal vor Aufregung, dann nimmt er die warme Flosse seiner Großmutter. Und schon watscheln die beiden gemeinsam hinaus, Schritt für kleinen Schritt, in die stille Welt. Vor ihnen liegt der Schnee. Er ist weich und glitzert silbern, als hätte jemand tausend winzige Sternchen darauf versteckt. Kannst du dir das vorstellen? Überall funkeln kleine Lichtpünktchen, wo immer man hinschaut. Pit kann gar nicht aufhören, hinzusehen. Pit setzt einen Fuß vor den anderen. Knirsch, knirsch, macht der Schnee bei jedem Schritt. Und wenn Pit ausatmet, malt sein Atem kleine weiße Wölkchen in die Luft, die ganz langsam davonschweben. Aber Pit lacht nur ganz leise. Denn um sie herum ist alles still. So still, wie die Nacht nur sein kann. Kein Wind weht. Kein Vogel ruft. Nur das weiche Knirschen ihrer Schritte ist zu hören. "Großmutter", flüstert Pit, "warum ist es nachts so still?" Die Großmutter lächelt. "Weil alle Tiere schlafen, Pit. Und weil die Nacht uns zuhören will, wenn wir mit ihr sprechen." Pit schaut nach oben. Über ihm liegt der große Himmel, dunkelblau und weich wie Samt. Und dort funkeln die Sterne. So viele, dass man sie gar nicht zählen kann. Pit versucht es trotzdem: "Eins, zwei, drei ..." Zählst du mit? Aber schon bei zwölf verliert er den Überblick und kichert. Die Sterne zwinkern ihn an, als wollten sie sagen: Guten Abend, kleiner Pinguin. Der Weg zum kleinen Hügel ist gar nicht lang. Doch Pit hat das Gefühl, hinter jeder Schneekuppe wartet ein kleines Geheimnis. Mal glitzert ein Eiszapfen wie ein Kristall. Mal schwebt ein einzelnes Schneeflöckchen vorbei, leise wie eine Feder. Die Großmutter geht langsam und hält Pits Flosse fest. Ihre Schritte sind ruhig und sicher. Und genauso fühlt sich Pit an ihrer Seite: ruhig und sicher, wie in einem warmen Nest. Bald erreichen sie den kleinen Hügel. Der ist gar nicht hoch, nur so viel, dass man den Himmel von dort oben noch genauer sehen kann. Die Großmutter setzt sich auf die weiche Kuppe. Pit kuschelt sich an ihre warme Seite. Er spürt ihr Herz klopfen, ganz ruhig, wie ein Schlaflied. "Schau nach oben, Pit", sagt die Großmutter sanft. "Gleich zeigt dir die Nacht ihr süßes Geheimnis." Pit macht die Augen ganz groß. Und tief im Dunkel wird langsam, ganz langsam, ein erstes Licht wach.

Die ersten Lichter erwachen

Oben auf dem kleinen Hügel sitzen Pit und seine Großmutter dicht aneinandergekuschelt. Der Schnee unter ihnen glitzert, die Sterne funkeln, und alles ist ganz, ganz still. Pit schaut und schaut in den dunklen Himmel. Und plötzlich zupft er an Großmutters warmem Flügel. „Oma", flüstert er, „da oben. Da ist was." Und tatsächlich. Ganz zart, ganz leise, beginnt etwas zu schimmern. Ein feiner grüner Hauch, wie das Licht einer kleinen Nachtlampe, nur viel, viel größer. Das Schimmern wird ein bisschen heller. Ein bisschen breiter. Es wächst so langsam, wie eine Blume im Frühling wächst. Pit hält den Atem an. Seine Augen werden groß und größer. Sein kleiner Schnabel steht offen vor Staunen. Kannst du dir das vorstellen? Ein ganzer Himmel, der ganz leise zu leuchten beginnt. Dann gesellen sich neue Farben dazu. Ein rosa Band zieht sich über den Himmel, weich wie eine Feder. Und ein violettes, das schimmert wie Perlmutt. Die Bänder bewegen sich. Ganz langsam. Als würde sie jemand liebevoll hin und her wiegen, so sacht wie ein Schaukelstuhl. „Oma", haucht Pit, „der Himmel malt Bilder." Die Großmutter lächelt und legt ihren Flügel noch ein bisschen fester um ihn. „Das sind die tanzenden Lichter, mein Kleiner", sagt sie mit ihrer weichen Stimme. „Sie kommen nur, wenn es schön dunkel ist und ganz still. Dann schweben sie über den Himmel und erzählen Geschichten. Geschichten ohne Worte." „Geschichten ohne Worte?", fragt Pit. „Ja", sagt die Großmutter. „Man muss sie mit den Augen hören und mit dem Herzen sehen." Pit muss kichern über diesen lustigen Satz. Aber dann wird er wieder ganz still und schaut. Das grüne Licht schaukelt hin und her. Das rosa Band windet sich langsam wie eine Schleife. Und das violette Leuchten flattert sacht wie ein Tuch im Wind. „Sind sie uns freundlich?", fragt Pit leise. „Sehr freundlich", sagt die Großmutter. „Sie sind wie ein Lied. Ein großes, warmes Wiegenlied aus Licht. Und wer ganz ruhig ist, dem tanzen sie die schönsten Tänze." Pit kuschelt sich noch enger an die weichen, warmen Federn seiner Großmutter. Sein Herz ist so voll von Staunen, dass es ganz wohlig kribbelt. Er möchte kein einziges Leuchten verpassen. Und dann, ganz langsam, fangen die Lichter an, sich ein bisschen schneller zu bewegen. Als würden sie sich warm tanzen. „Schau nur, Pit", flüstert die Großmutter. „Jetzt fangen sie an zu tanzen."

Das große Lichtertanzen

Die grünen Bänder am Himmel werden immer breiter und heller. Langsam schwingen sie von einer Seite zur anderen, ganz so, als würde jemand ein riesiges, weiches Tuch im Wind schwenken. Dann kommt Rosa dazu, zart wie die Wangen der Großmutter, und dazwischen leuchtet es violett wie die Blüten von Sommerblumen, die es nur am Himmel gibt. Pit hält den Atem an. „Ooooh", macht er ganz leise. Mehr bringt er nicht heraus, so schön ist es. „Jetzt tanzen sie", flüstert die Großmutter. „Siehst du es?" Und Pit sieht es. Die Lichter drehen sich in weiten, ruhigen Kreisen. Sie wogen auf und ab wie eine ganz sanfte Welle im Meer. Mal sind sie heller, mal dunkler, und immer vollkommen still. Ein Tanz ohne Musik, denkt Pit. Und doch meint er, eine leise Melodie zu hören, die nur in seinem Herzen klingt. Ganz von selbst fängt Pit an, leise mitzuwippen. Linker Fuß, rechter Fuß. Immer schön langsam, genau so, wie es ihm die Lichter vortanzen. Die Großmutter rückt ein kleines Stück näher, und Pit lehnt sich an ihre warme, weiche Seite. Ihre Federn sind so kuschelig, dass Pit sich fühlt wie in einem Nest mitten im Schnee. „Die Nacht ist ja gar nicht dunkel", sagt Pit staunend. „Sie ist voller Farben." „So ist es", antwortet die Großmutter. „Die Nacht ist ein Freund. Sie hüllt uns ein wie eine große, weiche Decke, und manchmal, wenn sie besonders gut gelaunt ist, schmückt sie sich mit ihren allerschönsten Lichtern." Pit nickt bedächtig. Alles ist still und friedlich. Selbst der Schnee unter seinen Füßen glitzert jetzt in den Farben des Himmels, grün und rosa, als würde die ganze Welt mittanzen beim großen Lichterfest. Ein langes, helles Band spannt sich wie ein Regenbogen der Nacht von einem Ende des Himmels bis zum anderen. Pit lässt seinen Blick darüberwandern, von links nach rechts und wieder zurück. Dabei wird ihm ganz warm ums Herz. Er merkt: Die Nacht kann wunderbar sein, wenn man sie nicht allein erlebt. Wenn jemand neben dir steht, der dich kennt und lieb hat, dann ist selbst die dunkelste Stunde hell und freundlich. Pit drückt sich noch einmal fest an die Großmutter. „Danke, dass du mich mitgenommen hast", murmelt er. Die Großmutter lächelt, legt eine Flosse um ihn, und gemeinsam schauen sie zu, wie die Lichter ihren großen Tanz weitertanzen, leise, bunt und voller Frieden.

Müde ins warme Nest

Der Himmel wird still. Die tanzenden Lichter bewegen sich jetzt ganz langsam, ganz weich, wie ein Wiegenlied, das jemand nur für Pit singt. Das grüne Band schwebt hin und her. Das rosa Band folgt leise hinterher. Und das violette Licht ganz oben flackert noch einmal zart, als würde es Gute Nacht sagen. Pit gähnt. Ein großes, warmes Gähnen. Seine Augen werden schwer, so schwer, dass er sie kaum noch offen halten kann. Ganz langsam lehnt er sich an die weiche Brust seiner Großmutter. „Siehst du, mein Kleiner", flüstert die Großmutter mit ihrer sanften Stimme, „die Lichter werden müde. Und du wirst es auch." Sie streicht ihm behutsam über den Kopf. „Komm, wir gehen nach Hause, in dein warmes Nest." Pit nickt müde. Zusammen watscheln sie zurück über den stillen Schnee. Schritt für Schritt. Knirsch, knirsch. Die Sterne funkeln über ihnen, ganz ruhig, als würden sie die beiden nach Hause begleiten. Die Großmutter summt ein leises Lied, und Pits Füße werden mit jedem Schritt ein bisschen schwerer. Einmal bleibt er stehen und blickt noch einmal zurück. Die Lichter tanzen immer noch, aber jetzt ganz zart und klein, als würden sie ihm hinterherwinken. „Danke", flüstert Pit ganz leise. „Danke, ihr tanzenden Lichter." Dann sind sie da. Zuhause. Das Nest ist weich und warm und kuschelig, gemacht aus den sanftesten Federn der Welt, genauso wie Pit es liebt. Mit einem tiefen, zufriedenen Atemzug kuschelt er sich hinein. Die Großmutter legt ihren Flügel um ihn, wie eine warme, federige Decke. Pit schmiegt sich an sie und schließt langsam die Augen. Hinter seinen geschlossenen Augenlidern tanzen die Lichter weiter. Grün und rosa und violett, ganz sanft, ganz friedlich. Sie drehen sich, sie schweben, sie wiegen ihn leise hin und her, bis Pits Atem ganz ruhig wird und sein kleiner Schnabel sich noch einmal zu einem Lächeln wölbt. „Schlaf schön, mein kleiner Pit", flüstert die Großmutter. „Die Lichter wachen heute Nacht über dich." Und draußen, hoch am dunklen Himmel, tanzen die Lichter noch immer. Ein bisschen leiser, ein bisschen sanfter, aber sie sind noch da. Vielleicht warten sie schon auf die nächste Nacht. Vielleicht haben sie Pit noch einen ganz besonderen Tanz versprochen, einen, den er noch nie gesehen hat. Und vielleicht, wenn du jetzt ganz leise bist und deine Augen schließt, dann kannst du sie auch sehen, die tanzenden Lichter am Südhimmel. Ganz nah. Nur für dich. Träum schön.