Eine fesselnde Erzählung über die Geschichte und die grenzenlose Belastbarkeit von Körper und Geist im vielseitigsten Wettkampf der Welt.
Podcast auf toknow hörenStell dir vor, es ist ganz früh am Morgen. So früh, dass sogar die Vögel gerade erst ihre Augen aufmachen und die Sonne noch schläfrig hinter den Hügeln hervorlugt. Die Welt ist noch ganz still und die Straßen sind leer. Wir stehen jetzt gemeinsam vor einem riesigen Stadion. Die großen Tore sind noch geschlossen, aber wir schlüpfen ganz leise durch einen kleinen Spalt hinein und betreten den weiten Platz. Die Luft riecht wunderbar frisch nach nassem Gras und nach dem Morgentau, der wie kleine, glitzernde Diamanten auf den Halmen funkelt. Alles ist vollkommen friedlich. Aber wenn du ganz genau hinhörst und tief einatmest, dann spürst du schon ein kleines, aufgeregtes Kribbeln in deinem Bauch. Es fühlt sich so an wie am Morgen vor deinem Geburtstag oder kurz bevor eine große Reise in ein fernes Land beginnt. Vor uns liegt die weite, rote Laufbahn. Sie sieht aus wie ein riesiges, glattes Band, das sich schützend um den grünen Rasen legt. Heute wird hier etwas ganz Besonderes passieren, etwas, das man nur selten auf der Welt erlebt. Wir warten auf ganz besondere Sportler. Man nennt sie ehrfürchtig die Könige der Athleten. Das klingt toll, oder? Aber sie tragen keine Kronen aus Gold oder Umhänge aus schwerem Samt. Ihr Thron ist das Stadion und ihre Zauberkraft ist ihre Vielseitigkeit. Sie heißen so, weil sie nicht nur eine einzige Sache gut können, sondern gleich zehn verschiedene sportliche Abenteuer meistern müssen. Das ist fast so, als wärst du ein kleiner Superheld, der gleichzeitig superschnell rennen, ganz hoch in den Himmel springen und schwere Kugeln unglaublich weit werfen kann. Der Zehnkampf ist die größte Prüfung, die es im Sport für einen Menschen gibt. Wer am Ende von zwei langen Tagen die meisten Punkte gesammelt hat, darf diesen besonderen Königstitel tragen. Aber bis es so weit ist, liegt ein weiter Weg voller Aufgaben vor ihnen. Jetzt kommen die Athleten langsam aus den Umkleidekabinen auf den Platz. Sie tragen ihre bunten Trikots und ihre speziellen Schuhe, die unten kleine Piekser haben, damit sie auf der Bahn festen Halt finden und nicht ausrutschen. Sie sehen sehr konzentriert aus. Manche hüpfen ein bisschen auf der Stelle, um ihre Muskeln aufzuwecken, andere strecken ihre Arme weit in die Luft und gähnen noch einmal herzhaft. Sie sprechen kaum ein Wort miteinander, denn jeder bereitet sich in seinem Kopf ganz still auf das große Abenteuer vor. Im weiten Rund des Stadions ist es immer noch leise, aber man hört jetzt schon das sanfte Klappern der Hürden, die von Helfern für später bereitgestellt werden. Es ist ein magischer Moment, die Ruhe vor dem großen Sturm. Die Sonne blinzelt nun über den Rand der Tribüne und taucht die gesamte Laufbahn in ein warmes, goldenes Licht. Die Sportler wissen, dass sie heute alles geben müssen. Sie werden gemeinsam schwitzen, sich gegenseitig anfeuern und vielleicht auch mal kurz ein bisschen traurig sein, wenn ein Sprung nicht so klappt, wie sie es geübt haben. Aber sie halten alle zusammen wie eine große Familie. Denn sie alle haben den gleichen, großen Traum. Gleich fällt der erste Startschuss für den ganz schnellen Sprint über hundert Meter. Das Herz klopft jetzt fest gegen die Brust. Bist du bereit? Atme noch einmal tief die kühle Morgenluft ein. Der Weg zum König der Athleten beginnt genau in diesem Augenblick.
Wisst ihr eigentlich, dass die Idee zum Zehnkampf schon uralt ist? Wir steigen jetzt in unsere kleine Gedanken-Zeitmaschine und reisen weit zurück in die Vergangenheit, in das Land der alten Griechen. Dort fing alles an, auf staubigen Plätzen unter der heißen Mittagssonne. Die Sportler damals hießen Pentathleten. Das Wort klingt fast wie ein kleiner Zauberspruch, oder? Diese Männer mussten fünf verschiedene Dinge richtig gut können. Sie rannten um die Wette, sie sprangen weit in den Sand, sie warfen lange Speere und flache Scheiben aus Stein und sie mussten zeigen, wie kräftig und geschickt sie beim Ringen waren. Es ging nicht nur darum, wer der Schnellste war, sondern wer am allerbesten in all diesen verschiedenen Sachen gleichzeitig war. Damals gab es noch keine glänzenden Goldmedaillen wie heute. Wisst ihr, was der Sieger bekam? Einen Kranz aus grünen Olivenzweigen, den man ihm feierlich auf den Kopf setzte. Das klingt für uns heute vielleicht einfach, aber für die Menschen damals war es die größte Ehre, die man sich überhaupt vorstellen konnte. Die Leute liebten es schon immer, zuzuschauen, wie ein einziger Mensch so viele verschiedene Talente zeigte. Und so reiste diese Idee durch die Zeit, über viele hunderte von Jahren, wie ein wertvoller Schatz, der von Generation zu Generation weitergereicht wurde. Aber irgendwann reichten den Menschen fünf Aufgaben nicht mehr aus. Sie wollten wissen: Wer ist wirklich der allerbeste Alleskönner von allen? So wurde aus dem alten Fünfkampf schließlich der moderne Zehnkampf, den wir heute in den großen Stadien sehen können. Aus fünf Übungen wurden zehn, und der Wettkampf wurde zu einer spannenden Reise, die zwei ganze Tage dauert. Ein ganz besonderer Held in dieser langen Geschichte war ein Mann namens Jim Thorpe. Das ist schon über hundert Jahre her. Er war so flink und stark, dass er bei den Olympischen Spielen alle Zuschauer zum Staunen brachte. Er war so gut, dass er den Zehnkampf gewann, und ein echter König sagte zu ihm, dass er der größte Sportler der ganzen Welt sei. Stellt euch das mal vor! Seit diesem Tag nennt man den Gewinner des Zehnkampfs ehrfurchtsvoll den König der Athleten. Heute gibt es in den Stadien keine staubigen Plätze mehr, sondern leuchtend rote Laufbahnen und riesige Scheinwerfer, die nachts so hell strahlen wie die Sonne. Aber das Herz der Geschichte ist immer noch genau gleich geblieben. Es geht darum, dass man ganz viele verschiedene Dinge ausprobiert, immer mutig bleibt und niemals aufgibt. Die Sportler von heute sind wie die Helden von früher, nur dass sie jetzt im hellen Flutlicht ihre ganz eigene, moderne Geschichte schreiben. Und genau wie damals schauen wir ihnen heute voller Bewunderung dabei zu.
Stellt euch vor, ihr hättet Superkräfte. Aber nicht nur eine einzige, sondern gleich zehn verschiedene auf einmal. Das ist genau das, was ein Zehnkämpfer in nur zwei Tagen schaffen muss. Es ist fast so, als würde man in achtundvierzig Stunden zehn verschiedene Leben führen. In einem Moment muss man flink wie ein Wiesel sein und im nächsten Moment so stark wie ein kleiner Bär. Das ist eine riesige Herausforderung für den Körper, denn eigentlich ist das gar nicht so einfach. Normalerweise ist es nämlich so: Wer sehr schnell rennen kann, der ist meistens eher schmal und leicht. Und wer sehr schwere Dinge weit werfen kann, der ist oft besonders groß und kräftig. Aber ein Zehnkämpfer muss einfach alles gleichzeitig können. Schaut euch mal den Start an. Wenn der Schiedsrichter die Pistole hebt und es laut Knall macht, dann schießen die Athleten los wie kleine Raketen. In diesem Moment müssen ihre Muskeln wie gespannte Gummibänder funktionieren. Sie müssen blitzschnell reagieren. Jede einzelne Faser im Körper ist auf Super-Speed geschaltet. Die Beine trommeln auf die Laufbahn, und man hat kaum Zeit zum Nachdenken. Es geht nur um Schnelligkeit, um dieses Kribbeln in den Zehen, das einen nach vorne katapultiert. Das ist das erste Leben des Zehnkämpfers: Er ist ein Sprinter, so schnell wie der Wind. Doch kaum ist der Lauf vorbei, wartet schon eine ganz andere Aufgabe. Jetzt geht es zum Kugelstoßen. Hier hilft einem das schnelle Rennen allein nicht viel weiter. Jetzt muss man sich ganz fest in den Boden stemmen, so als ob man Wurzeln schlagen würde. Die schwere Eisenkugel liegt in der Hand, ganz nah am Hals. Plötzlich muss der Körper komplett umschalten. Aus der schnellen, leichten Feder wird ein stabiler Fels. Man braucht ganz viel Kraft in den Armen, in den Schultern und vor allem in den Beinen, um die Kugel weit weg in den Sand zu schubsen. Es ist ein riesiger Kraftakt, bei dem man kurz die Luft anhält und dann mit einem kräftigen Pusten alles gibt. Das ist das Faszinierende an diesem Sport. Die Muskeln müssen innerhalb von kurzer Zeit lernen, etwas völlig Neues zu tun. Mal müssen sie federn, mal müssen sie stemmen, mal müssen sie ganz weit springen. Es ist ein ständiger Wechsel zwischen Kraft und Tempo. Es ist ein bisschen so, als würde man erst ein flinkes Wettrennen machen und danach einen schweren Bollerwagen einen Hügel hinaufschieben. Der Körper wird dabei natürlich müde, aber die Athleten wissen genau, wie sie ihre Energie einteilen. Sie wissen genau, wann sie die Rakete zünden müssen und wann sie die Ruhe eines starken Baumstamms brauchen. Und das Beste daran ist: Obwohl es so anstrengend ist, macht jeder Wechsel von einer Aufgabe zur nächsten den Sportlern riesigen Spaß, weil sie immer wieder zeigen können, wie vielseitig sie sind.
Stellt euch vor, ihr seid schon den ganzen Tag draußen auf dem großen Sportplatz. Eure Beine sind vom vielen Rennen und Springen schon ein kleines bisschen müde, und die Sonne kitzelt euch auf der Nase. Ihr habt heute schon richtig viel geschafft. Aber jetzt kommt ein Moment, der sich ganz anders anfühlt als die Kraft beim Kugelstoßen oder die Schnelligkeit beim Sprinten. Es ist die Zeit, in der nicht nur eure Muskeln, sondern vor allem euer Herz und eure Gedanken zeigen müssen, wie mutig sie sind. Manchmal passiert beim Sport nämlich etwas, das einen erst mal traurig macht. Stellt euch vor, ihr wolltet mit einem ganz langen Stab hoch in die Luft springen, über eine Stange drüber. Ihr nehmt Anlauf, springt ab, fliegt wie ein Vogel durch die Luft – aber dann, oh weh, berührt ihr die Stange ganz leicht und sie fällt mit einem lauten Klappern zu Boden. In diesem Moment fühlt es sich so an, als würde plötzlich eine kleine, graue Regenwolke direkt über eurem Kopf schweben. Ihr denkt vielleicht: Ach menno, das schaffe ich doch nie! Das sind die Momente, in denen sich die Gedanken in unserem Kopf wie ein verknotetes Wollknäuel anfühlen. Aber wisst ihr was? Das ist völlig okay. Jeder Mensch, auch der stärkste Sportler der Welt, hat mal solche Augenblicke, in denen er an sich zweifelt. Im Zehnkampf ist das die wichtigste Prüfung von allen. Die Athleten müssen jetzt ganz tief in ihren Bauch einatmen und die graue Wolke in ihrem Kopf einfach wegpusten. Sie sagen sich ganz leise: Ich bin stark, ich kann das, und ich probiere es einfach noch einmal. Das erfordert richtig viel Tapferkeit, fast so wie bei einem Ritter, der eine schwierige Aufgabe lösen muss. Das Allerschönste am Zehnkampf ist aber, dass man mit diesen Sorgen niemals ganz allein ist. Obwohl am Ende jeder eine Urkunde oder eine Medaille möchte, sind die Sportler wie eine große, sportliche Familie. Wenn einer traurig auf der Bank sitzt, kommt oft ein anderer gelaufen. Er klopft ihm vorsichtig auf die Schulter, reicht ihm eine Flasche Wasser und sagt: Kopf hoch, du schaffst das beim nächsten Mal bestimmt! Sie feuern sich gegenseitig an, auch wenn sie eigentlich Gegner sind. Dieser Zusammenhalt ist wie ein unsichtbares Zauberband, das alle festhält, damit keiner den Mut verliert. Die Athleten wissen ganz genau, wie sich der andere fühlt, weil sie alle denselben langen Weg gehen. Ein wahrer König der Athleten ist deshalb nicht nur der, der am höchsten springen kann. Es ist vor allem derjenige, der nach einem kleinen Fehler wieder aufsteht, sich den Staub von der Hose putzt und mit einem Lächeln weitermacht. Mit diesem neuen Mut im Herzen sind sie jetzt bereit für das allerletzte Abenteuer des Tages.
Die Sonne sinkt nun langsam tiefer und taucht das große Stadion in ein ganz warmes, goldenes Licht. Es ist Abend geworden, und die langen Schatten der Flutlichtmasten strecken sich über die rote Laufbahn wie riesige, dunkle Finger. Hinter unseren Sportlern liegen zwei unglaublich aufregende Tage. Sie sind so schnell gerannt wie der Wind, sie sind hoch gesprungen wie junge Rehe und haben schwere Kugeln so weit geworfen, wie sie nur konnten. Jetzt, kurz vor der allerletzten Aufgabe, fühlen sich ihre Beine vielleicht ein bisschen so an wie weiche Gummibärchen oder schwere Säcke voller Mehl. Aber wisst ihr, was das Schönste daran ist? Wenn man in die Gesichter dieser starken Männer und Frauen schaut, sieht man kein Aufgeben. Man sieht Stolz und ganz viel Freundschaft. Die letzte Disziplin steht nun an: der 1500-Meter-Lauf. Das klingt erst einmal nach einer sehr langen Strecke, und das ist sie auch. Fast vier ganze Runden müssen sie um den großen Platz rennen. Das ist der Moment, in dem es nicht mehr nur darauf ankommt, wer die schnellsten Beine oder die dicksten Muskeln hat. Jetzt zählt nur noch das Herz und der Mut, den man ganz tief in sich trägt. Die Athleten stehen nebeneinander an der Startlinie. Sie schauen sich kurz an und nicken sich gegenseitig zu, so als würden sie sich ohne Worte sagen: Wir schaffen das gemeinsam bis ins Ziel. Dann macht es leise Puff, und der letzte Startschuss fällt. Die Läufer setzen sich in Bewegung. Ihr Atem geht ganz gleichmäßig, fast so wie bei einer kleinen, fleißigen Dampflokomotive: schnauf, schnauf, schnauf. Die Zuschauer auf den bunten Rängen stehen alle auf und klatschen im Rhythmus der Schritte. Es ist, als würde das ganze Stadion den Sportlern eine Extraportion Kraft schenken, die sie wie unsichtbare Flügel nach vorne trägt. In der letzten Runde wird es noch einmal richtig spannend. Die Beine sind nun wirklich müde, und der Schweiß glitzert wie kleine Diamanten auf der Stirn. Doch dann sehen sie endlich das Ziel. Mit letzter Kraft laufen sie über die weiße Linie. Und dann passiert das Wunderbare: Sobald alle angekommen sind, fallen sie sich in die Arme. Es ist völlig egal, wer als Erster oder als Letzter angekommen ist. Sie haben es geschafft. Sie haben alle gemeinsam durchgehalten. Jetzt dürfen sie sich in das weiche, kühle Gras sinken lassen und in den weiten Abendhimmel schauen. In diesem Moment sind sie alle Könige der Athleten. Nicht, weil sie eine goldene Medaille um den Hals tragen, sondern weil sie gezeigt haben, wie viel Kraft in einem steckt, wenn man fest an sich glaubt und seine Freunde an der Seite hat. Die Lichter im Stadion gehen nun langsam aus, und ein tiefer, schöner Friede legt sich über den Platz. Das große Abenteuer des Zehnkampfs ist zu Ende, und unsere Helden gehen müde, aber sehr glücklich nach Hause. Schlaf gut, kleine Könige, ihr habt heute etwas ganz Besonderes geschafft.