Eine ruhige Gute-Nacht-Geschichte, in der das gemütliche Faultier Felix den müden Tieren des Regenwalds hilft, im großen Schlummerbaum zur Ruhe zu kommen.
Podcast auf toknow hörenKomm mit, ganz leise, in den Regenwald. Die Sonne sinkt langsam hinter die hohen Bäume und taucht den Himmel in Gold und warmes Rosa. Die Blätter der großen Wipfel glitzern noch einmal im letzten Licht. Dann wird es stiller. Der Tag verabschiedet sich, und die Nacht atmet tief und ruhig ein. Überall zwischen den Farnen und Blüten wachen jetzt kleine Lichter auf. Die Glühwürmchen strecken sich, gähnen winzig und schalten ihre Lämpchen an. Eins nach dem anderen, wie kleine Sterne, die auf der Erde wohnen. Ganz sanft flattern sie durch die dunklen Zweige und zeigen allen Tieren den Weg nach Hause. Und dort, mitten im Wald, steht der große Schlummerbaum. Ein uralter Baum, so breit wie ein Haus, mit weichen Ästen, die sich ausbreiten wie offene Arme. Lange Lianen hängen von seinen Zweigen und schaukeln im Abendwind ganz langsam hin und her. In diesem Baum wohnt Felix, das gemütlichste Faultier des ganzen Regenwalds. Felix bereitet gerade alles für die Nacht vor. Ganz gemächlich hängt er von Ast zu Ast und klopft die Moosbetten weich, denn ein Faultier hat ja für alles viel, viel Zeit. Hier richtet er ein Bett für das kleine Äffchen, dort eins für den Kolibri, und am Teich, wo es so hübsch plätschert, drei winzige Betten für die Froschgeschwister. In jedes Moosbett legt er noch ein Kissen aus weichen Samenwolken. Federleicht sind sie, wie ein warmer Hauch. Und während Felix so arbeitet, summt er sein Schlummerlied. Es ist ein sehr altes Lied, so langsam wie ein tiefer, gemütlicher Atemzug. Lausch nur kurz. Schlummre ein, schlummre sacht, der Wald hält Wache heute Nacht. Hmm, hmm. Jedes Tier, das dieses Lied hört, spürt, wie sich die Müdigkeit wie eine weiche Decke über seine Schultern legt. Die Luft riecht nach Blüten und warmem Moos. Irgendwo gluckert ein kleiner Bach. Die letzten Vögel wünschen einander eine gute Nacht, und dann wird es wieder ganz still. Felix lässt sich auf seinem Lieblingsast nieder, schaut den Glühwürmchen zu und lächelt zufrieden. Bald werden die ersten Gäste kommen, das spürt er genau. Denn jeder Abend beim Schlummerbaum beginnt auf dieselbe wunderbare Weise: leise, langsam und voller kleiner Lichter. Und während Felix wartet, hängt er behaglich über dem Ast, schaukelt ein wenig vor und zurück und singt sein Lied noch einmal von vorn. Ganz langsam. Ganz leise. Damit der ganze Wald es hören kann. Schh. Der Abend beginnt.
Da raschelt es im Geäst. Ein kleiner Schatten saust durch die Blätter, hin und her, auf und ab. Das ist Mino, das kleine Äffchen. Mino sollte schon längst in seinem Moosbett liegen, aber er hüpft von Ast zu Ast und plappert ohne Pause. „Felix, Felix, sieh mal, wie weit ich springen kann! Und wisst ihr was? Heute ist ein Blatt einfach so geflogen. Wie ein Vogel! Und ich habe eine Nuss gefunden. Zwei Nüsse! Und Felix, guck mal ..." Felix hängt ganz gemütlich in seinem Ast und lächelt. „Mino", sagt er mit seiner langsamen, warmen Stimme, „du bist doch müde. Deine Augen zwinkern schon ganz viel." „Ich bin überhaupt nicht müde!", ruft Mino. Und genau in diesem Moment muss er so groß gähnen, dass er beinahe vom Ast gefallen wäre. Felix lacht leise und ganz sanft. „Komm zu mir, kleiner Freund", sagt Felix. „Ich verrate dir ein Geheimnis. Weißt du, warum dein Körper noch so voller Hüpfen ist? Weil deine Gedanken noch so schnell rennen. Und Gedanken kann man ganz langsam machen, wenn man weiß wie." Mino lässt sich auf den weichen Moosplatz neben Felix plumpsen. Zum ersten Mal heute sitzt er still. „Leg eine Hand auf deinen Bauch", sagt Felix leise. „Und jetzt atmen wir zusammen. Langsam ein, wie wenn du an einer warmen, leckeren Blume schnupperst. Und langsam aus, wie wenn du einem Löwenzahn alle kleinen Schwäne wegpustest." Mino schnuppert ein. Mino pustet aus. Sein Bauch hebt sich. Sein Bauch senkt sich. Wie eine kleine Welle, ganz ruhig. „Und nun schau nach oben", flüstert Felix. „Durch die Blätter siehst du die ersten Abendsterne. Lass uns sie zusammen zählen. Ganz langsam." „Einen?", flüstert Mino. „Einen", flüstert Felix. „Zwei. Drei." Der Wald wird stiller. Die Glühwürmchen tanzen langsam durch die Wipfel, und ihr Licht sieht aus wie kleine Sterne, die auf die Erde gefallen sind. „Vier ... fünf ...", murmelt Mino. Seine Stimme wird weicher. „Sechs ..." Beim siebten Stern sinkt Minos Hand vom Bauch auf das kuschelige Moos. Seine Augen blinzeln. Einmal, zweimal, immer langsamer. Felix summt ganz leise sein Schlummerlied, tief und warm wie ein Abendhimmel. „Zehn", haucht Mino. Dann werden seine Augen schwer, so schwer, und er rollt sich ein wie eine kleine Schnecke in ihrem Häuschen. „Gute Nacht, kleines Äffchen", flüstert Felix und deckt ihn vorsichtig mit einem weichen Großblatt zu. „Träum süß." Und während Mino friedlich schläft, horcht Felix plötzlich auf. Da oben in den Blüten schwirrt etwas. Schnell, schnell, schnell. Ein kleines Herz, das viel zu schnell klopft. Aber davon erzähle ich dir gleich.
Schhh ... hörst du es? Ganz leise schnarcht das Äffchen Mino in seinem weichen Moosbett. Es schläft. Endlich schläft es tief und fest. Felix, das gemütliche Faultier, lächelt zufrieden und will sich gerade selbst ein flauschiges Mooskissen unter den Kopf schieben, da — was ist denn das? Ein feines Summen schwebt durch den Schlummerbaum. Summ-summ-summ! Es klingt wie eine viel zu schnell aufgezogene Spieluhr. Und dann huscht etwas Funkelndes zwischen den Blättern hindurch. Es ist Kiki, der Kolibri. Ihre Federn schimmern smaragdgrün und himmelblau, und ihre Flügel flattern so schnell, dass man sie kaum sehen kann. „Felix! Felix!", piepst Kiki und flitzt einmal um den ganzen Stamm herum. „Ich kann einfach nicht stillhalten! Mein kleines Herz, es klopft so schnell! Klopf-klopf-klopf! Wie eine kleine Trommel. Wie soll ich denn da schlafen?" Felix nickt langsam und ganz freundlich. „Kiki", sagt er mit seiner weichen Stimme, „dann summe ich dir mein Schlummerlied. Ganz ... langsam. Und du hörst einfach nur zu." Und Felix beginnt zu summen: „Schlummere leise, schlummere sacht, der Mond hält über dem Wald die Wacht ..." Das Lied zieht durch den Baum wie ein warmer, sanfter Wind. „Flieg doch im Takt meines Liedes", flüstert Felix. „Erst ein bisschen schneller ... und dann immer langsamer." Kiki versucht es. Zuerst flattern ihre Flügel noch ganz fix: summ-summ-summ. Aber dann ... summ ... summ ... Langsamer und langsamer. Und siehe da: Ihr kleines Herz macht mit. Es trommelt nicht mehr klopf-klopf-klopf, sondern klopf ... klopf ... Ruhig und gleichmäßig, genau wie das Schlummerlied. „Oh", flüstert Kiki erstaunt. „Das fühlt sich ja schön warm an." „Sieh mal dort drüben", sagt Felix und zeigt auf eine große, rosarote Hibiskusblüte. Ihre Blätter sind samtig weich wie eine kuschelige Decke, und sie duftet süß nach Nektar. „Diese Blüte hat noch einen Platz frei, nur für dich. Schau, wie sie in der Abendluft ganz leise schaukelt." Kiki schwebt hinüber, ganz langsam jetzt, und lässt sich in die Blüte sinken. Die Blütenblätter schmiegen sich ein wenig um sie, wie eine warme Umarmung. Kiki gähnt ein winziges kleines Kolibri-Gähnen. „Gute Nacht, Felix", wispert sie. „Gute Nacht, kleine Kiki", summt Felix. Und während die Blüte sie sanft hin und her wiegt, schläft der Kolibri ein. Felix lauscht. Das Summen ist verstummt. Nur noch leises, friedliches Atmen liegt über dem Schlummerbaum. Und vielleicht spürst du es auch: Dein Herz klopft jetzt ganz ruhig und langsam, wie ein kleines Schlummerlied. Klopf ... klopf ... klopf.
Inzwischen war es im Schlummerbaum schon fast ganz still. Mino, das kleine Äffchen, schlief längst in seinem weichen Moosbett, und Kolibri Kiki lag tief in ihrer Blüte gekuschelt und träumte von Blumen. Nur Felix war noch wach, ganz langsam und gemütlich, so wie immer. Da hörte er etwas. Plitsch, platsch. Plitsch, platsch. Kleine, feuchte Füßchen hüpften über die großen Wurzeln. Es waren die drei Froschgeschwister: Milla, Momo und der allerkleinste, Pips. „Wir sind gar nicht müde!", quakte Milla. „Gar nicht!", quakte Momo. Und Pips hüpfte einfach nur auf einem Moosbett herum und rief: „Quak, quak, quak!" Felix lächelte ganz ruhig. „Hopp, hopp", brummte er freundlich, „so ein kleiner Frosch hat viel zu tun, den ganzen Tag." Genau in diesem Moment passierte etwas Wunderbares. Tipp. Tapp. Ein einzelner Regentropfen fiel auf ein großes Blatt über dem Schlummerbaum. Und noch einer. Und noch einer. Ein sanfter, warmer Regen begann zu fallen, leise und gleichmäßig. Pitsch, patsch. Pitsch, patsch. „Horcht mal", flüsterte Felix. „Der Regen singt euch ein Lied." Die drei Frösche wurden still. Milla legte den Kopf schief. Momo hielt ganz ruhig. Selbst Pips blieb mitten im Hüpfen stehen und lauschte. Felix begann, sein langsames Schlummerlied zu summen, ganz im Takt der Tropfen: „Schlummre sacht, träume sacht, der Wald hält über dich Wacht." Hörst du es auch? Tipp, tapp. Tipp, tapp. Ganz gleichmäßig. Ganz ruhig. Wie ein kleines Herz, das sich langsam beruhigt. Da wurde Millas Quaken leiser. „Wir sind ... gar nicht ... mü ...", murmelte sie noch. Und schon schlief sie. Momo kuschelte sich an seine Schwester. „Ich ... auch nicht ...", quakte er noch ganz leise. Und schon schlief auch er. Nur der kleine Pips schaute noch zum Regen hoch. Er öffnete den Mund für ein letztes „Quaaaak" — aber das Quaken wurde zu einem großen, warmen Gähnen. Dann rollte er sich zusammen wie ein kleiner grüner Ball, schmiegte sich zwischen Milla und Momo, und schlief. Felix deckte die drei ganz vorsichtig mit einem weichen Blatt zu, wie mit einer kuscheligen Decke. „Gute Nacht, kleine Frösche", flüsterte er. Der Regen tropfte weiter, leise und gemütlich. Pitsch, patsch. Pitsch, patsch. Und der Mond schaute zwischen den Blättern hindurch, direkt in den Schlummerbaum hinein. Felix lächelte zufrieden. Fast alle schliefen nun. Und ob gleich auch Felix die Augen zufallen — das erzähle ich dir gleich.
Der Mond ist über dem großen Schlummerbaum aufgestiegen. Rund und silbern hängt er zwischen den Blättern, und sein sanftes Licht fällt auf die kleinen Moosbetten, die Felix am Abend so sorgfältig zurechtgeklopft hat. Alles ist still. Mino, das quatschige Äffchen, liegt ganz ruhig in seinem weichen Moosbett. Sein Schwanz ist um ein kleines Ästchen gewickelt, und im Schlaf lächelt er. Vielleicht zählt er in seinem Traum noch die Abendsterne. Eins. Zwei. Drei. In der großen roten Blüte schläft Kiki, der kleine Kolibri. Ihre Flügel ruhen ganz ruhig, und ihr kleines Herz klopft jetzt ganz langsam und zufrieden. Klopf. Klopf. Wie ein leises Trommeln, weit, weit weg. Und auf dem flachen Blatt am Bach kuscheln die drei Froschgeschwister eng aneinander, Kopf an Kopf, Schnauze an Schnauze. Der leise Regen prasselt noch immer ganz sanft auf die Blätter, plitsch, platsch, und die drei träumen von warmen Pfützen und glitzernden Tropfen. Felix sitzt auf seinem Lieblingsast und schaut auf sie alle hinunter. Sein Herz wird ganz warm dabei. Heute hat er allen geholfen, zur Ruhe zu kommen. Langsam hängt er sich an seinen Ast, schaukelt ein wenig hin und her und summt noch einmal sein Schlummerlied, ganz leise, ganz langsam: Schlaf, kleiner Freund, ganz still und sacht, der Wald hält Wacht die ganze Nacht. Über den Moosbetten tanzen die Glühwürmchen ihren letzten, langsamen Nachttanz. Eins nach dem anderen macht sein kleines Licht aus, als würden auch sie ganz gemütlich schlafen gehen. Und dann lauscht Felix in den nächtlichen Wald hinein. Er hört die Blätter rauschen. Er hört den Regen tropfen. Irgendwo singt ein Vogel ein ganz leises Nachtlied. Und da, ganz weit weg, hört er noch etwas, das ihn lächeln lässt. Ein leises Trippeln? Kleine Schritte auf dem weichen Waldboden? Wer mag das wohl sein? Felix gähnt, ganz langsam, ganz breit. „Morgen Abend", denkt er schläfrig, „morgen Abend werde ich es erfahren. Vielleicht braucht ja wieder jemand Hilfe beim Einschlafen. Und dann werde ich bereit sein." Seine Augen fallen langsam zu. Und während der Mond über den Schlummerbaum wandert, schläft nun auch Felix ein, das gemütliche Faultier, das allen beim Träumen hilft. Und du? Kannst du das Trippeln auch hören, wenn du ganz, ganz still bist? Schließ deine Augen, atme tief und ruhig. Und wer weiß: Morgen erfährst du vielleicht, wessen kleine Füßchen da auf dem Weg zum Schlummerbaum waren. Gute Nacht. Träum was Schönes.